Einleitung: Hört, und dann schaut und erfahrt!
Der Großglockner im geistigen Licht
2. Bedeutung und Entstehung des Eisens. Die Berge als Sammler elektromagnetischer Energien
3. Die Gebirge als Regler der Luftströmungen
6. Ein Geisterkampf und wie er in der Natur sichtbar wird
8. Erdgeister, Pflanzen und Tiere dirigierende Geister, Luft- und Äthergeister
10. Die Berge als Liebeprediger und Weisheitspropheten
12. Geschichte vom frommen Beter in den Bergen. Wie man sich Gott vorzustellen hat
Am 15. Mai 1841
1. Liebe Kinder! So ihr Mir nachfolgt, da folgt Mir vollends in allem nach, habt nicht Lust zu wandeln in tiefen Tälern, Gräben und Schluchten (die da sind voll Ungeziefer, unreiner Luft und nicht selten unter den Nachbarn voll Hader, Zank, Hass und aller Dieberei und gegenseitigen Fluches) — sondern geht mit Mir gern auf Berge und Höhen! Da sollt ihr allzeit entweder eine Bergpredigt, oder eine Verklärung, oder eine Sättigung mit wenig Brot, oder eine Reinigung vom Aussatz, oder einen Sieg über die stärksten Versuchungen, eine Erweckung vom Tod und derart vieles und für euch jetzt noch Unaussprechliches erfahren. Nehmt sogar Kinder mit, und ihr sollt den Segen der Berge an ihnen gar deutlich erkennen.
2. Der da ist schwachen Leibes, soll nicht fürchten die gesegneten Berge, denn ihre Scheitel sind umflossen vom stärkenden Hauch der Geister des Lebens. Fürwahr, auf den Bergen und Höhen, da drehen sich selige Reihen und schmücken die duftenden Scheitel mit goldenen Blumen der ewigen Liebe! O prüft noch heut’ die Bewohner der Berge, ob sie nicht zumeist groß beschämen die Had’rer der Täler, der Dörfer, Märkte und Städte! Die christliche Gastfreundschaft wohnt auf den Bergen nur noch ungeschändet; verträgliche Eintracht, die wohnt nicht in Städten der Tiefe, in Tälern und Gräben – auf Bergen nur müsst ihr sie suchen, da ist sie zu Hause, wie unter den Pflanzen, so unter den Tieren und eben nicht selten auch unter den Menschen.
3. O lasst zwei Feinde betreten die duftenden Scheitel der Alpen: ihr werdet erfahren und sehen die Feinde als Freunde nicht selten sich kosen. Der Wolf, dieses reißende Tier, der nach Blut nur dürstet, der sucht nicht selten, fürwahr, auf den Bergen sein heilendes Kräutlein und schont in diesem Geschäft der blökenden Herde der Lämmer.
4. O schaut zurück auf die ersten Väter der Väter auf Erden: sie wohnten auf Höhen der Berge! Vom himmelanragenden Sinai gab Ich dem Mose die heiligen Tafeln, auf welchen mit goldenen Zeichen des ewigen Lebens gar freie Gesetze den Menschen der schmutzigen Tiefe gezeichnet und tief eingegraben wohl waren.
5. Ich brauch euch nicht mehr’res von all den Bergen zu sagen, auch nicht von der Schule der Seher und Kinder [Künder] des ewigen Wortes aus Mir; – geht nur öfter auf Berge und gern weilt auf selben, da werdet ihr allzeit die Fülle des Segens der ewigen Liebe des heiligen Vaters erfahren. Der „Kulm“, schon einmal von Mir euch geraten, wird geben dem, welcher aus Liebe zu Mir wird besteigen des grünenden Scheitel, was einstens der Tabor dem Petrus, Jakobus und Meinem Johannes. Doch hört, nicht „Muss“, auch nicht „Soll“; nur wer’s kann und will, der folge Mir, seinem Meister und Vater, so wird er gar bald auch erfahren, warum Ich die Predigt des Himmels vom Berg zum Volk gesprochen! Die Zeit steht euch frei; doch je eher, je besser. Das merkt euch, Amen! Das sage Ich Vater ganz heilig voll Liebe zu euch. Hört es, Amen, Amen, Amen!
Empfangen durch Jakob Lorber am 27. November 1841
6. In der Reinen rein’rem Lande, / Da, wo rein’re Lüfte wehen, / Wo in liebetreu’m Verbande / Brüder miteinander gehen – / Da auch über Wolken ragen / Freundlich düster hehre Zeugen, / Die gar große Bürden tragen, / Opfer auch, die aufwärtssteigen!
7. Unter diesen vielen Zeugen, / Die das kleine Ländchen zieren, / Zeigt im still’ erhabnen Schweigen / Deutlich er der Großen Wirren. / Diesen Zeugen viele kennen, / Weit und breit wird er besprochen, / Doch wie viele sein erwähnen, / Wird dahier nicht viel gerochen!
8. Wie er da zerklüft’t, zerrissen, / Und wie hoch empor er raget, / Wie er ist an seinen Füßen, / Wie viel Schnee und Eis er traget, / Solches wird hier nicht beraten, / Sondern was der Riese saget, / Sei ganz kurz dahier verraten, / Und so wisse, wer da fraget:
9. Zu was nütze solche Höhen? / Solche Höhen vielfach nützen. / Wenn erboste Geister wehen / Und im Argen sich erhitzen, / Eurer Erd’ mit Feuer drohen, / All’s auf ihr vernichten wollen, / Ja in Grimmes Feuerlohen / Schon so manches Gras verkohlen,
10. Seht, da greift der hohe Wächter / Weit um sich mit tausend Armen / All die tückischen Geschlechter / Fest und kalt ohn’ all’s Erbarmen / So „am Kragen“, wie ihr saget, / Zieht sie an von allen Seiten, / Dann zu rühren keins sich waget, / Keins sich weiter auszubreiten!
11. Hat er sie an sich gezogen, / All die argen Ordnungsstörer, / Die die Erd’ so oft belogen, / Sie, der Erde Wahnsinnsmehrer, / Dann sie werden hier ergriffen / Von den Friedensgeisterhorden / Und am Eise matt geschliffen / Stumpf für Lust zum ferner’n Morden!
12. Nun zu Schnee und Eis umstaltet / Liegen sie zu Trillionen / Schon als Höhenschmuck grau veraltet / Auf den kalten Herrscherthronen. / Seht des Glockners nützend Walten, / Seht, wie er der Ordnung dienet, / Daher seine rau’n Gestalten, / Darum auch so hoch er zinnet!
13. Doch allein dazu erschaffen / Ist er wahrlich nicht geworden, / Um gerecht allzeit zu strafen / Arger Geister friedlos’ Horden; / Was in ihm noch alles stecket, / Was er alles noch verrichtet, / Wird in Größ’rem ausgehecket / Und des Nutzens Weis’ gelichtet! / Amen.
Am 13. April 1842
1. Es deucht euch wunderbar das wohlgelungene Bild, wie da majestätisch ein König der Berge, der Großglockner genannt, aus der Mitte seiner Brüder kühn sein Haupt erhebt und schaut gewisserart nach allen Seiten hin, wo seine Kinder, von ihm auslaufend, sich befinden. Aber noch wunderbarer wird es euch bedünken, wenn Ich euch in guter Ordnung bei seinen kleinsten Abkömmlingen angefangen, erst also bis zu ihm hinführen werde.
2. Es wird euch freilich wohl ein wenig wundernehmen, wenn Ich dartue, dass eure Steiermark auch nicht einen Hügel diesseits des Flusses Drave (Drau) besitzt, der da nicht ein Abstämmling dieses Gebirgsvaters wäre; aber das tut nichts zur Sache – am Ende wird sich’s dann bei der Summierung aller Wahrheiten wohl zeigen, wie viele Fehlhiebe wir bei dieser Darstellung werden gemacht haben.
3. Und so seht denn: Wenn ihr z. B. den Schloßberg zu Graz besteigt, oder den sogenannten Rosenberg, oder den Plabutsch, oder den Buchkogel, oder ihr verfügt euch ganz hinab in die letzten Ausläufer der windischen Bühel, da sage Ich euch: Auf allen diesen Bergen, miteingerechnet diejenigen Alpen, die ihr schon bestiegen habt, besteigt ihr immerwährend noch den Fuß des Großglockners.
4. Wem solches schwer zu glauben wäre, der dürfte, um den nächsten Gebirgsweg zu haben, nur z. B. hier an dem sogenannten Buchkogel seine Reise beginnen, von dort aus aber immerwährend sich an die Gebirgsrücken halten – welche freilich nicht immerdar gleich hoch sein werden, aber dennoch immer hoch genug, um von den Tälern wohl unterschieden zu werden –, und er wird wohl auf diesem (freilich etwas beschwerlichen) Weg schon nach einer Tagesreise auf jene Alpen gelangen, welche zumeist die Steiermark vom Kärntnerland trennen, bei welcher Gelegenheit er dann nichts anderes braucht, als den mühsamen Weg über all die Alpen fortzusetzen. Und so er übrigens festen Fußes ist, da kann er darauf rechnen, dass er binnen längstens zehn Tagen schon in die sehr nahe liegenden Gegenden unseres Großglockners gelangt ist, ohne dass er nur einmal nötig hatte, über ein tiefes Tal zu gehen.
5. Diese Reise wird ihn dann sicher überzeugen, dass euer Buchkogel samt seinen noch weiterhin gedehnten Ausläufern gar wohl noch mit diesem Gebirgsvater zusammenhängt. Wer jedoch solche ziemlich beschwerliche Reise nicht zu machen gedenkt, der nehme in diesem Fall nur eine gute Länderkarte zu sich, wo er freilich wohl viel bequemer dieselbe Reise unfehlbar mit seinen Fingern machen kann, und er wird sich von der Richtigkeit dieser Aussage sicher überzeugen.
6. „Ja, aber“, werdet ihr sagen, „das mag wohl alles sein, denn es hängt ja der Nordpol mit dem Südpol sogar zusammen; auf diese Weise können ja wohl der Buchkogel und der Großglockner auch zusammenhängen. Aber was soll aus diesem Zusammenhang werden? Wo sieht da ein Evangelium heraus?“
7. Ich aber sage: „Nur eine kleine Geduld, Meine Kindlein! Denn zwischen dem Buchkogel und dem Großglockner ist des Raumes und der anderen Dinge genug, um auf dieses Raumes Boden ein gutes Senfkörnlein auszustreuen, welches da aufgehen wird und seine Äste und Wurzeln so weit ausbreiten, als unser großer Gebirgsvater seine Arme und Kinder ausbreitet.“
8. Eine Frage lässt sich hier sogleich anbringen, und zwar diese: „Liegt denn was daran, dass dort eben der Großglockner über alle Berge sein Haupt erhebt, in einem anderen Land wieder ein anderer, der noch höher ist als der Großglockner, und wieder in einem anderen Land noch ein dritter, der über alle anderen hinwegschaut?“
9. Hier auf diese Frage gebe Ich eine ganz kurze Antwort und sage nichts, als dass solches im Ernst sehr notwendig ist, weil von der überragenden Höhe solcher Berge in naturmäßiger Hinsicht die ordentliche Erhaltung nicht nur derjenigen Länder, in denen sie sich befinden, sondern eines ganzen Weltteiles abhängt, wie z. B. Europa von den drei euch halbwegs bekannten Gletschern, d. h. Gletschergebirgen; Asien und Amerika von den seinen usw.
10. Bei dieser Beantwortung der Frage ergibt sich schon sogleich wieder eine andere, und zwar alsogleich folgende, da ihr sagt: „Wieso denn? Wie ist das möglich?“
11. Und Ich gebe euch darauf ebenfalls eine kurze Antwort, welche also lautet: „Wie das Leben des Leibes vom Kopf abhängt; denn wird dieser vom Leibrumpf genommen oder sonst stark beschädigt, so geht auch sobald das Leben des ganzen anderen Leibes unter.“
12. Diese Antwort genüge euch vorderhand; denn gerade also auch ist das Verhältnis zwischen solchen Bergen zu dem übrigen Land, wie das des Kopfes ist zu dem übrigen Leib. Geht auch das Leben nicht unmittelbar vom Kopf aus, so ist aber dennoch der Kopf das Hauptaufnahmeorgan des naturmäßigen Lebens, von welchem aus dann erst dasselbe, den ganzen Leib dirigierend, in alle Teile desselben ausgeht. Der menschliche Leib hat noch viele andere Extremitäten, die er verlieren kann, ohne darum das Leben einzubüßen.
13. Seht, also auch verhält es sich mit unseren höchsten Bergen. Ihr könnt zwar den ganzen Buchkogel abgraben, ja sogar über eine höhere Alpe dürft ihr euch hermachen, wenn ihr Lust und Kräfte dazu besitzt; aber wäre es jemandem möglich, sich auch über den Großglockner herzumachen und ihn zu planieren gleich dem vorher erwähnten Buchkogel oder einer anderen Alpe, so würde diese Unternehmung nicht so straflos ablaufen wie die Planierung des Buchkogels oder einer anderen bedeutenderen Höhe. Denn solche geringeren Planierungen würden nahe gar keinen fühlbaren nachteiligen Erfolg nach sich ziehen, während die Planierung des Großglockners entweder sobald eine unabsehbar weite Strecke der Länder in einen ewigen Winter oder aber wenigstens in einen weit ausgedehnten See verwandeln würde.
14. Hier werdet ihr schon wieder fragen: „Wieso denn? Und wie ist dieses möglich?“
15. Ein kleines Beispiel wird euch die Sache sogleich anschaulich machen.
16. Seht, ihr wisst, dass vom Leib aus in den Kopf das Blut seinen Weg hat. Wenn nun der Kopf vom Leib getrennt wird, was tut da das Blut? Seht, jetzt haben wir es schon; denn ihr sagt selbst: Da wird das Blut ja sobald aus den Adern treten, sich über den Leib ergießen, wodurch dann die Adern und der ganze Leib zusammenschrumpfen werden; der Leib aber wird dadurch in den sicheren Tod übergehen.
17. Also ist es auch bei einem solchen Berg der Fall, der ebenfalls ein Rezipient ist von den gewaltigsten inneren Wasserquellen der Erde. Er hält dieselben durch seine große Grundschwere darnieder und lässt nur so viel durch seine Poren davon austreten, dass dadurch das ganze Land weit und breit seine nötige Bewässerung erhält; den Überfluss dieser beständigen Ausdünstungen der inneren Gewässer aber saugt er aus der Luft selbst sorgfältigst wieder in sich; und damit es sich nicht so leichtlich wieder entferne von ihm, darum verwandelt er es in beständiges Eis und in den beständigen Schnee, aus welchem Grund er auch nur höchst selten dunst- oder wolkenlos zu erblicken ist.
18. Was aber er tut, dasselbe müssen – wennschon in geringerem Verhältnis – bei Zeit und Gelegenheit auch alle seine Kinder und Kindlein tun.
19. Warum sage Ich hier „seine Kinder und Kindlein“? Aus der einfachen Ursache, weil zur Zeit der Gebirgsbildung die höchsten Berge der Erde die ersten waren, die da gebildet wurden, und von ihnen aus erst dann die anderen in zusammenhängender Ordnung auf die Art und Weise, die euch schon bekannt ist. Nur müsst ihr euch dabei nicht etwa denken, heute war z. B. der Großglockner, morgen seine Kinder und übermorgen seine Kindlein gebildet, sondern zwischen diesen Bildungsprogressionen sind lange Zeitperioden vorhanden, welche sich nicht selten auf mehrere Millionen von Erdjahren erstrecken, dass darob in einem Land kaum zwei Berge vorhanden sind, die da wären gleichen Alters. Dass aber unser vorliegender Großglockner zu den urältesten Bergen der Erde gehört, könnt ihr vorerst daraus ersehen, darum er von Mir „ein Vater der Berge“ genannt wird, und fürs Zweite, weil er ein Haupt mehrerer Länder ist, und fürs Dritte bezeugt solches sein Gestein, welches da gewaltig verschieden ist von dem Gestein seiner Kinder und Kindlein.
20. Wie aber all die Berge gegen ihren Vater hin an Höhe zunehmen, also nehmen sie auch zu an Alter; und je mehr ihre Scheitel sich mit beständigem Schnee und Eis schmücken, desto erhabener und bedeutungsvoller werden sie auch. Dieses müsst ihr euch gar wohl merken, denn die Folge wird es zeigen, von welcher vielseitig großen Wichtigkeit dieser Satz ist. Wir wollen uns daher in keine langen Nebendiskurse einlassen, sondern sogleich zur Hauptsache übergehen, und zwar zuerst in naturmäßiger, dann in geistiger, dann endlich in evangelischer Hinsicht.
21. Es gibt gar viele Menschen, die da sagen: „Ich habe einen sanften Hügel, der mit Äckern, Wiesen, Baumgärten, Waldungen und Viehweiden belebt ist, um unvergleichbar vieles lieber denn hundert Großglockner.“
22. Solche Menschen haben zwar einesteils wohl recht; denn auf dem ewigen Schnee und Eis des Großglockners lässt sich durchaus kein Weinberg anlegen – ja nicht einmal die allerletzte Pflanze, als z. B. da ist das harte Steinmoos, kommt da fort.
23. Ich frage aber: Ist denn ein Berg nur nach seiner vegetabilen Fruchtbarkeit zu taxieren? Wenn es auf die Fruchtbarkeit ankommt, da ist ein jeder Berg überflüssig; denn in der Ebene arbeitet sich’s ja doch offenbar leichter denn auf was immer für einem Berg, und die Erfahrung wird euch schon gar wohl belehret haben, dass in der Ebene alles recht gut fortkommt. Sonach ist es sicher doch eine Albernheit, einen Berg nach seiner Fruchtbarkeit zu taxieren, denn die Fruchtbarkeit der Berge ist nicht die Bedingung ihres Daseins, sondern diese dreht sich um eine ganz andere Achse. Sonach werden diejenigen wohl ihr Wort zurücknehmen müssen, welche einen fruchtbaren Hügel höher schätzen als einen unfruchtbaren hohen Gletscher, und werden sich müssen gefallen lassen, wenn Ich sage: Eine Quadratklafter vom Eis des Großglockners ist an und für sich mehr wert als eine Quadratmeile voll der fruchtbarsten Hügel.
24. Hier werdet ihr schon wieder fragen: „Wieso denn? Wie ist das möglich?“
25. Ich aber sage euch: Wenn es nur auf den gewissen Erwerbsertrag ankommt, da könnt ihr euch mit den Augen eures Kopfes, für sich allein genommen, sicher nicht einen Heller verdienen; wohl aber mit euren Händen und Füßen! Ist aber darum das Auge nicht mehr wert denn die Hände und die Füße, welche ihr ohne das Licht des Auges schwerlich gebrauchen würdet? Und doch ist die Pupille des Auges gar klein im Verhältnis zu dem Maß der Hände und Füße! Und müsst ihr nicht zuvor ein jedes Ding mit dem Auge ergreifen, das ihr mit der Hand ergreifen wollt, und so auch mit dem Auge den Füßen allzeit vortreten?
26. Wenn ihr nun dieses beachtet, so wird euch wohl ersichtlich werden, warum Ich eine Quadratklafter des eisigen Großglocknergrundes höher ansetze als eine ganze Quadratmeile des fruchtbarsten Hügellandes; denn so wie ihr ohne das Auge wenig Früchte tragen würdet an den Händen und Füßen, so auch würden die Ebenen und Kleinhügelländereien gar spottwenig Früchte tragen ohne den ewigen Schnee und das Eis der Gletscher. Und in dieser Hinsicht dürfte dann wohl so mancher wohlhabende und gesegnete Landmann eine Reise nach dem Großglockner machen und daselbst in Meinem Namen sein Eis küssen; denn es hängt von der kussgroßen Fläche des Eises am Großglockner die ganze Fruchtbarkeit seines Grundes ab.
27. Möchtet ihr hier denn nicht schon wieder fragen: „Wieso denn? Wie ist das möglich?“ – Nur eine kleine Geduld; es wird gleich kommen.
28. Ihr wisst, dass sich nach dem alten Sprichwort Gleiches mit Gleichem gern vergesellschaftet. Wenn ihr in euren Zimmern irgendeinen feuchten Stein in der Mauer habt, so wird dieser Stein nicht so leicht trocken werden, sondern wird vielmehr Feuchtigkeit von allen Seiten noch an sich ziehen und sonach seinen Feuchtigkeitsüberfluss der andern ihn umgebenden Mauer mitteilen und wird somit einen großen feuchten Fleck in eurem Zimmer bewirken.
29. Seht, also verhält es sich auch schon wieder mit unserem Großglockner! Er ist ebenfalls ein sehr großer feuchter Stein in den weit ausgedehnten Ländereien eines Erdteils und zieht dadurch von weit und breit her die in der Luft überflüssig schwebenden Feuchtigkeiten an sich. Wenn aber diese Feuchtigkeiten in tropfbarem Zustand blieben an seinen Steinwänden, so würden sie dann auch sobald wieder in großen Strömen diesem Riesenstein entweichen und viele Ländereien um ihn herum verheeren. Damit aber solches nicht geschieht, so macht er durch seine Höhe und Gesteinseigentümlichkeit, dass die in sich gesogenen Feuchtigkeiten sobald zu Schnee, Hagel und Eis werden.
30. Aber hier werdet ihr sagen: „Wenn das wirklich also ist und geschieht, so muss er dadurch mit der Zeit ja über ganz Europa hinauswachsen!“
31. O ja, das würde auch sicher der Fall sein, wenn er keine Kinder und Kindlein hätte. Aber diese Kinder entbürden dann zuerst ihren Vater, und zwar auf diese Art: Wenn seine Eis- und Schneelast von oben und außen hinzuwächst, da werden die unteren Teile oder die unteren und alten Schnee- und Eismassen eben auch stets mehr gedrückt und gequetscht, wodurch dann diese Wasser- und Luftteile durch solchen Druck sich in zahllosen kleinen Partien entzünden, sich dann wieder in nebelige Dünste auflösen und diesem ihrem Gefängnisort entsteigen. Und da ein solcher Gletscher seine vorzügliche Anziehungskraft nur in seinen höchsten Regionen hat, so würden diese aus seinen niederen und unteren Regionen entwichenen Dünste sich da entweder als tropfbare Flüssigkeit stromweise in die tiefer liegenden Ebenen, alles zerstörend, ergießen, oder sie würden wenigstens auf den höheren Punkten sich dem Schnee und Eis anschließen und dasselbe also fort und fort ausdehnen und mehren, dass da in einem Jahrtausend ganze Ländereien von ihnen begraben würden.
32. Aber damit weder das eine noch das andere geschieht, so sind einem solchen Gebirgslandesvater auch eine unübersehbare Menge Kinder an die Seite gestellt, welche gar begierig die Überbürdung ihres Vaters über sich nehmen; und was ihnen selbst noch zu viel wird, da hocken um sie herum schon wieder eine Menge Kindlein, welche den Überfluss gar begierig an sich nehmen. Und was denen auch noch zu viel zu tragen wird, damit erst segnen sie das ganze andere weitgedehnte Flachland.
33. Und so ihr dieses nur einigermaßen begreift, da werdet ihr es auch leicht einsehen, warum sich von einem solch hohen Berg so weitgedehnte, zusammenhängende Bergketten nach allen Richtungen hin fast strahlenartig erstrecken, und es wird euch auch nicht eben zu lächerlich klingen, wenn Ich euch sage, dass ihr selbst aus euren Hausbrunnen noch Großglocknerwasser trinkt und dass es in eurem Land gar spottwenig Quellen geben wird, die ursprünglich ihr fruchtbares Dasein nicht diesem Gebirgslandesvater verdanken möchten.
34. „Ja, aber“, werdet ihr sagen, „was ist denn hernach das Regenwasser?“
35. Und Ich sage euch darauf, dass in eurem Land selten ein Tropfen anderen Regens den Wolken entfällt als solcher nur, der vom Großglockner und seinen weitgedehnten Kindern über dieses Land ausgesendet wurde; und ihr würdet eben nicht gar zu gefehlt sprechen, so ihr da sagen möchtet: „Der Großglockner regnet über unser Land.“
36. Warum denn? – Weil er drei verschiedene, weitausgehende, kräftig wirkende Arme besitzt, wovon der eine sich in seinen Kindern und Kindlein nach allen Richtungen weit ausbreitet, der zweite in all den Quellen, Bächen, Flüssen und Strömen, der oft noch weiter geht als seine Kinder und Kindlein, – der dritte, am weitesten ausgehende Arm aber besteht in der Wolkenregion, welche eben am Großglockner für mehrere Länder ihren Zentralpunkt und an den vielen weit und breit ausgestreuten Kindern sorgliche Wächter und untergeordnete Ruhepunkte hat, da sie sich wieder ansammelt in stets mehr und mehr dunstigen Massen. Und wenn diese Massen z. B. auf der Choralpe zu dicht angehäuft werden, dann hat auch eine solche Alpe wieder untergeordnete Kindlein, welche ihrer Mutter gar begierig einen großen Teil ihrer Bürde abnehmen – bei welcher Gelegenheit dann dieser dritte Arm des Großglockners gewöhnlich sich in einem wohltätigen Regen ergießend, der armen Pflanzen- und Tierwelt der Ebenen sorglich unter die schwachen Arme greift und ihr eine wohlschmeckende Mahlzeit bereitet.
37. Aber das ist nur eine naturmäßig nützliche Verrichtung und Bestimmung dieses Gebirgslandesvaters.
38. Es stecken nebst dieser aber noch zwei andere und viel wichtigere im Hintergrund, welche wir in der Folge dieser Mitteilung erst werden kennenlernen. Und wenn ihr erst diese werdet kennenlernen, so werdet ihr auch stets einen vorteilhafteren Begriff von der großen Nützlichkeit eines solchen totscheinenden Gebirgsriesen in euch lebendig erschauen. Denn wahrlich sage Ich euch: Auf der Welt verhält sich alles verkehrt! Wo ihr viel Lebendigkeit seht auf der Erde, da ist auch ebenso viel des Todes; wo ihr aber glaubt, es sei alles in einen ewigen Tod versunken, da herrscht zumeist des Lebens größte Fülle und eine unberechenbar eifrigste Tätigkeit desselben.
39. Aus diesem Grund waren zumeist alle Propheten und Seher auf den Bergen zu Hause. Und Ich Selbst, da Ich als Mensch auf der Erde war, hielt Mich vorzugsweise gern auf den Bergen auf: Auf dem Berg gab Ich dem Versucher den ewigen Abschied; auf einem Berg speiste Ich so viele Hungrige; auf dem Berg gab Ich in Meinem Wort den ganzen Himmel preis; auf einem Berg zeigte Ich Mich als das urewige Leben verklärt den drei euch Bekannten; auf einem Berg betete Ich, und auf einem Berg wurde Ich gekreuzigt.
40. Darum achtet die Berge! Denn wahrlich, je höher sie ihre Scheitel über die Schlammtiefe des menschlichen Eigennutzes erheben, desto geheiligter auch sind sie und desto segnender das ganze andere Land.
41. Wie solches [zugeht], haben wir schon zum Teil gehört; die Folge aber wird euch erst alles dieses ins klarste Licht stellen. Und so lassen wir es heute bei dem bewendet sein.
Am 3. Mai 1842
1. Welch einen wichtigen Artikel die Metalle, namentlich das Eisen, bei euren Hauswirtschaften ausmachen, da braucht ihr eben keine hohen mathematischen Kenntnisse, um solches zu berechnen.
2. Was würdet ihr wohl ohne das Eisen verrichten können? Ja, ganz bestimmt könnt ihr es annehmen: Ohne das Eisen wäre noch nie ein Buchstabe gedruckt worden; ohne dasselbe würdet ihr höchst beschwerlich und mühsam euch eure Wohnungen bereiten und noch viel beschwerlicher und mühsamer eine notdürftigste Kleidung; ja ohne das Eisen gäbe es noch heutzutage keine Schiffe auf dem Meere und keine Wagen auf dem Land.
3. Ihr hättet ohne das Eisen nicht ein einziges wirklich taugliches Werkzeug, um das Erdreich aufzulockern und den Getreidesamen in die Erde zu säen – ja, mit einem Worte gesagt: Ohne das Eisen wärt ihr in naturmäßiger wie auch in so mancher Hinsicht geistiger Weise die ärmsten Geschöpfe der Erde, so dass euch ein jedes Tier überflügeln würde. Aber mittels dieses hochgesegneten Metalls könnt ihr euch alles verschaffen, weil aus dem Eisen alle möglichen brauchbaren Instrumente und Werkzeuge verfertigt werden können. Nicht einmal ein einfaches Grab könntet ihr der Leiche eines verstorbenen Bruders leicht bereiten ohne das Eisen, und müsstet dadurch die Leichen der Verstorbenen entweder in die Flüsse werfen, hie und da höchstens in seichten Sand verscharren oder sie auf die höchsten, mit ewigem Schnee und Eis bedeckten Berge tragen oder sie verbrennen, so ihr nicht wolltet vom beständigen Pesthauch umgeben sein. Kurz und gut, die Nützlichkeit des Eisens ist zu entschieden groß, als dass sie je verkannt werden könnte.
4. Es würde freilich mancher Kurzsichtige sagen: „Im Notfall, d. h. bei Ermanglung des Eisens und somit auch aller anderen Metalle, welche samt und sämtlich durch das Dasein des Eisens bedingt sind, müsste man sich denn mit hölzernen Instrumenten behelfen.“
5. Dieses wäre wohl recht, es fragt sich aber nur dabei, womit wird da wohl ein Baum umgehauen werden können, sodann behauen und geschnitten zu verschiedenartigen notdürftigen Werkzeugen? Seht, aus dem geht ja klar hervor, dass eben das Eisen in der natürlichen Lebenssphäre des Menschen die allererste Bedingung ist, ohne das sogar das Brotbacken aufhört und die Nahrung des Menschen bloß auf rohe Naturfrüchte beschränkt würde.
6. Da wir somit durch diese kleine Vorbetrachtung gesehen haben, wie unumgänglich nötig dieses Metall ist, so wollen wir denn auch einen Blick auf seine Entstehung tun.
7. Ihr wisst schon aus einer früheren Kundgebung, und zwar namentlich aus der Darstellung Meiner großen „Haushaltung“ im von euch also benannten Hauptwerk, allda eine Meldung geschieht von der Hin- und Herwanderung des Meeres, dass während dem Überstand der Meeresgewässer sich dieses Metall durch das Salz dieses Gewässers, vorzugsweise aber durch die Einwirkung der Gestirne, in dem Innern der Erde, und zwar in gewissen schon eigens dazu bestimmten Gängen oder Adern derselben, ansammelt, wo das Eisen oder doch der Stahl als metallisch gefestetes und gesalzenes, item [kurzum] gebundenes Sonnenlicht dargestellt ist.
8. Dieses ist richtig und wahr – ja, diese Ansammlung ist so wohlberechnet, dass da volle nachfolgende 14.000 Jahre nicht imstande sind, dasselbe völlig zu verbrauchen. Aber es ist hier zu der Bildung des Eisens noch eine sehr wichtige Frage nötig, und diese Frage lautet also: „Ist dieses vom Meer und den Gestirnen gebildete Eisen auch schon tüchtig, dass man es bearbeite und daraus verfertige allerlei Gerätschaften?“
9. O nein, sage Ich euch, so ist es nur eine noch unreife Frucht, welche wohl die Fähigkeit in sich besitzt, reif und schmackhaft zu werden und somit auch genießbar, aber im unreifen Zustand weder das eine noch das andere ist.
10. Da wir solches nun wissen, so fragt sich denn wieder weiter: „Ja, wie wird denn sonach das Eisen reif?“
11. Diese Antwort gibt euch ein jeder Bergmann wie ein jeder Botaniker und ein jeder Landmann, indem er sagt: „Durch Regen und milden Sonnenschein all’s gedeiht und reifet fein; so schaut denn nur in die Berg’ hinein, dort wird es eben also sein!“ Und es ist auch also.
12. Regen ist eine Hauptbedingung zu aller Kultur, somit auch zur Kultur des Eisens. Wenn aber der Regen ununterbrochen fortdauern möchte, so würde er gar bald ersticken die Früchte und nach längerer Zeit auch verzehren und taub machen das Metall der Berge; damit also alles gedeihe, muss eine rechte Ordnung allenthalben beachtet sein.
13. Wer aber ist von Mir zur Regulierung solcher Ordnung aufgestellt auf irgendeinem Weltkörper? Und durch wen wird sie also fortwährend erhalten?
14. Jetzt können wir schon wieder eine Reise zu unserem Großglockner machen! Seht ihn nur recht gut an, wie er da emporragt hoch in die Lüfte und in die Regionen der Wolken und wie er umlagert ist von tausend und abermals tausend Felsenzacken und Riffen!
15. Seht, dieser König der Berge hat einen weiter ausgedehnten Wirkungskreis zur Einsaugung der Elektrizität und des magnetischen Fluidums, als eure Wetter- und Blitzableiter auf den Dächern der Häuser.
16. Was ist er demnach noch neben dem, was wir schon in der vorigen Mitteilung vernommen haben?
17. Seht, er ist eine unglaublich große und starke Ansammlungs- und Vorratskammer des elektrischen und magnetischen Stoffes. Wenn er dann durch seine Fernwirkung auf dem dreifachen euch schon bekannten Wege namentlich durch die Bewässerung wirkt, so versieht er auch all die Wässer und vorzugsweise den Regen mit dem gehörigen Quantum von Elektrizität und dem magnetischen Fluidum.
18. Diese zwei Polaritäten aber sind in naturmäßiger Hinsicht ja die Hauptbedingung alles Gedeihens und alles Wachstums und Reifwerdens der Pflanzen und der mineralischen Welt, und durch diese beiden hernach auch dessen der Tiere.
19. Da unser Großglockner aber ein so gewaltiger Ansammler dieser Polaritäten ist, so kann hier mit wenigen Worten gezeigt werden, dass die Erze der untergeordneten Berge ja hauptsächlich den Gletschern ihre brauchbare Auszeitigung verdanken, da eben diese Gletscher die Ordner der Temperatur über all die unter ihnen gelegenen Ländereien sind.
20. Da wir nun solches wissen, so mache Ich euch nur einzig und allein darauf aufmerksam, dass diese hohen Schnee- und Eisgebirge, wie bei uns namentlich der Glockner, ihre anderen schon bekannten Segnungen zuallermeist auf dem Weg ihrer Kinder und Kindlein über den Erdboden hin ausspenden; also spenden sie auch diesen elektromagnetischen Stoff zuallermeist auf diesem Weg aus.
21. Was aber hinter diesem elektromagnetischen Stoff noch steckt, und wie schnell dieser nach allen Richtungen hin ausgebreitet wird, werden wir erst im Bereich der geistigen Darstellung dieses Gebirgslandesvaters näher kennenlernen.
22. Für jetzt aber wollen wir diesen Teil beschließen und nur die alleinige kurze Betrachtung hinzufügen, dass allzeit die größten und segnendsten Wirkungen da ausgeboren und weiter zum allgemeinen Nutzen befördert werden, woselbst sie die blinde Menschheit am allerwenigsten suchen zu müssen glaubt und somit auch am allerwenigsten sucht.
23. Und so geht von einer unbedeutenden Eisspitze des Glockners nicht selten eine bei Weitem größere Wirkung über viele Ländereien aus als wie von den nicht viel sagenden großen Weltstädten, von denen im Verhältnis zu den guten Ausgängen ganz unverhältnismäßig viele schlechte Ausgänge gemacht und geboten worden sind.
24. Und somit zählt ein solcher Berg auch bei Weitem mehr als alle Industrie Englands, Frankreichs und Nordamerikas usw.
25. Da wir somit mit dieser Betrachtung für das Herz, wennschon nicht für den mathematischen Verstand, zu Ende sind, so wollen wir uns denn zur nächsten, dritten und somit letzten und allergrößten Nutzwirkung unseres Großglockners hinwenden; jedoch für heute lassen wir es bei dem bewendet sein.
Am 9. Mai 1842
1. Nachdem ihr schon über die Nützlichkeit unseres Großglockners so manches vernommen habt und die Nützlichkeit nahe für schon erschöpft angegeben betrachtet, so fragt ihr euch wohl selbst: „Welche nützliche Tauglichkeit soll denn noch neben all dem Vernommenen einem solchen Berg noch innewohnen, und zwar naturmäßigerweise?“
2. Diese Frage ist recht gut; denn in der Frage liegt ja eben noch ein großes Bedürfnis zugrunde, vermöge welchem ihr noch etwas Nützliches von diesem Berg erfahren möchtet. Da sich aber nirgends ein Bedürfnis oder irgendein Hunger nach etwas aussprechen kann, für den es da nicht auch eine Sättigung gäbe, so wird es für das Bedürfnis, welches in der vorliegenden Frage liegt, wohl sicher auch noch eine Sättigung geben.
3. Und so habt denn Acht! Wir wollen sogleich unsere Speisekammer eröffnen, allda ihr zur Sättigung eures Bedürfnisses des besten Brotes in großer Menge antreffen sollt.
4. Also für was taugt unser Großglockner und somit auch alle Gletscher und anderen Berge der Erde denn noch?
5. Es wird euch allen gar wohl bekannt sein, dass sich die Erde binnen 24 Stunden und etwas darüber um ihre eigene Achse dreht; neben dem wird euch auch der ziemlich bedeutende Umfang der Erde nicht unbekannt sein.
6. Wenn ihr den Umfang der Erde nehmt, der noch bedeutend über 5.000 Meilen hinausreicht, und teilt diese ganze Länge des Umfanges in so viele Teile, als da 24 Stunden, Minuten und Sekunden in sich haben, so werdet ihr die überraschende Erfahrung machen, dass da auf eine Minute etliche Meilen zu stehen kommen.
7. Nun denkt euch aber die Erde als eine berglose, ebene Kugel, welche wenigstens zehn Meilen hoch über ihr teilweise noch mit schwerer atmosphärischer Luft umgeben ist.
8. Damit ihr aber das Außerordentliche dieser Erscheinung desto vollkommener begreifen mögt, so dürft ihr nur eine Glaskugel nehmen und dieselbe dann entweder in einem Gefäß, das mit Wasser angefüllt ist, oder in dem Sonnenstrahl, der da durch irgendein Fenster in das Zimmer fällt und ziemlich gesättigt ist mit dem gewöhnlichen Sonnen- und auch allfälligen Zimmerstaub, recht behände um ihre eigene Achse drehen, und ihr werdet euch überzeugen, dass diese sich drehende Kugel weder ein Wasserteilchen noch ein noch so leichtes Stäubchen, wenn es sich nicht durch die elektrische Anziehung der Kugel an sie anklebt, mit sich fortreißt, d. h. in dieselbe Bewegung zwingt, in welcher sich die Glaskugel selbst befindet.
9. Nun, da wir dieses Experiment gewisserart im Geiste schon gemacht haben, so wollen wir nun einen vergleichenden Blick auf unsere Erdkugel machen.
10. Sagt Mir: Was würde da wohl die atmosphärische Luft in die Mitdrehung der Erdkugel um ihre Achse nötigen, so sie vollkommen flach wäre? So aber die atmosphärische Luft nicht mitgezogen würde, welcher Luftströmung würden da alle lebenden Wesen ausgesetzt sein?
11. Wenn aber schon die sogenannten Naturforscher mit ziemlicher Genauigkeit den mächtigsten Sturm so angesetzt haben, dass da die Luft eine so schnelle Strömung macht, dass sie in einer Sekunde nahe 80 Fuß zurücklegt, bei welcher Gelegenheit dann die Luftströmung schon eine solche Gewalt entwickelt, dass sie die dicksten und kräftigsten Bäume mit der größten Leichtigkeit aus dem Erdboden reißt, was würde denn dann erst eine Luftströmung für Folgen haben, welche in einer Minute etliche deutsche Meilen zurücklegen würde?
12. Ich brauche euch den Erfolg eines solchen Experiments nicht näher zu schildern; denn so ihr nur ein wenig nachdenkt, so werdet ihr es ja augenblicklich überklar finden und begreifen müssen, dass bei solchem Luftzug nicht einmal das Steinmoos sich erhalten könnte, geschweige erst irgendein anderes Geschöpf. Und was bei einem solchen Luftzug dann erst das Meer dazu sagen würde, wird derjenige gar nicht schwer begreifen, der nur je das Meer gesehen hat, wenn ein tüchtiger Wind über dessen Oberfläche dahinstürmt und das Gewässer gleich Bergen übereinander aufsteigen macht.
13. Wenn ihr nun dieses ein wenig beachtet, so wird euch doch Meine väterliche Fürsorge daraus ganz auffallend in die Augen springen müssen, da Ich zu diesem Zweck die Berge über die Fläche der Erde also wohl geordnet aufgerichtet und fest gestellt habe, dass ihnen zufolge die Luft mit der Erde sich zu drehen genötigt wird.
14. Ihr werdet hier freilich fragen, warum denn zufolge solcher Nützlichkeit die Berge dann nicht alle gleich hoch sind und nicht gleich den Meridianen von Pol zu Pol laufen?
15. Auf diese Frage können drei gültige Antworten gegeben werden.
16. Fürs Erste sind sie darum so gestaltet, wie sie sind, weil Ich beständig mit der Aufstellung eines Dinges keine einseitige Nutzwirkung beabsichtigen kann und will; und so liegt der erste Grund schon in den vorher kundgegebenen Nutzwirkungen der Berge offen vor euch, warum da viele sehr hoch und einige nur unbedeutende Erhöhungen des flachen Landes sind.
17. Der zweite Grund ist aber folgender: Wären da alle Berge gleich hoch und möchten sich da alle ziehen geradlinig von Pol zu Pol, so würde dadurch eine ewige Luftruhe eintreten, wo dann bald die unteren Schichten der Luft in Faulung übergehen würden, so wie in den unterirdischen Katakomben. Sagt, wie stünde es bei solcher Gelegenheit mit dem naturmäßigen Leben?
18. Seht, aus diesem Grund sind die Berge scheinbar höchst unregelmäßig über die Erdfläche gestellt. Ich sage euch aber, diese Stellung ist eine so mit allerhöchster Wissenschaft geordnete, dass eben ihr zufolge die Luft immerwährend einen Spielraum hat und muss ziehen über die Erde kreuz und quer, und sich dadurch mischen und sich reiben, durch welche Tätigkeit dann über den ganzen Erdboden die sogenannte Elektrizität oder besser das natürliche Lebensfluidum in hinreichender Menge stets frisch erzeugt wird.
19. Wenn ihr dieses nur ein wenig betrachtet, so wird euch die Stellung der Berge über dem Erdboden wie ihre verschiedenen Höhen nicht mehr ungeschickt und zufällig, sondern überaus weise geordnet vorkommen.
Am 10. Mai 1842
1. Warum sind denn noch fürs Dritte die Berge von ungleicher Höhe? Dieses bleibt uns hier noch zu beantworten übrig. Dieser dritte Grund hat aber wieder drei Hauptgründe in sich, und zwar folgende: Zuerst müssen die hohen Gebirgsspitzen auch die obere Luftregion in den Mitschwung um die Erde nötigen. Wären solcher hohen Berge zu viele auf der Erde, so würde das auch mit der Zeit in den Tiefen eine fast immerwährende Luftruhe mit sich ziehen, weil zu viel der oberen Luftregion dadurch zur Mitbewegung gezogen würde.
2. Da es aber nur wenige Höhen gibt, so wird die obere Luftregion auch nur an wenigen Punkten genötigt, mit der Rotation der Erde sich mitzuschwingen. Die weiter von solchen Gebirgsspitzen abstehenden Luftsphären aber werden dadurch nur in eine nach allen Richtungen hin wirbelnde Bewegung gesetzt gleich also, als wenn ihr einen Stock ziemlich behände durch ein Wasser zieht, bei welcher Gelegenheit die vor dem Stock befindlichen Teile des Wassers zwar mit dem Stock fortgetrieben werden, zu beiden Seiten aber kann jedermann eine Menge Ringel und Wellchen bemerken, welche sich viel langsamer nach dem Stock ziehen, und ihr Zug selbst wieder die nebenangrenzenden Wasserteile in eine Bewegung versetzt.
3. Die Ringel sind lauter Wasserwirbel, welche das Wasser in die Tiefe hinab beunruhigen, und die Wellchen beunruhigen die ganze Oberfläche des Wassers; und so hat mit der Zeit ein solcher Stockzug durch das Wasser nicht selten einen bedeutend großen Teich in der Folge in eine Bewegung versetzt.
4. Seht, das ist also ein gar wichtiger Grund, warum nur der viel wenigere Teil der Berge so hoch in die Luft emporragt.
5. Der zweite Grund dieses dritten Hauptgrundes ist folgender:
6. Ihr werdet schon öfter vom sogenannten Gletscherlicht etwas gehört haben. Was soll’s denn damit?
7. Einige Naturforscher haben dieses Licht, freilich ziemlich ungeschicktermaßen, so erklärt, als rührte es noch von den über den weiten Horizont des Nordens herüber brechenden Strahlen der Sonne her; allein solches ist ganz grundlos und also falsch. Dieses Licht ist ganz rein positiv elektromagnetischer Art und wird erzeugt durch die beständige Reibung solcher Gebirgsspitzen mit der sie umgebenden Luft.
8. „Ja, aber“, werdet ihr sagen, „solches kann schon immerhin der Fall sein; aber wir sehen da noch keinen Nutzen ein. Und soll ihr Leuchten etwa die Nützlichkeit selbst sein, so sehen wir es aber dennoch nicht ein, warum solche großen Erdnachtlichter so sparsam über den Erdboden gestellt sind. Was hat der weit entlegene Flachlandbewohner von dem oft mehrere hundert Meilen entlegenen Gletscherlicht?“
9. Wenn dieses Licht die Nützlichkeit wäre, da hättet ihr freilich wohl recht, so zu fragen; allein solches ist mit dem ziemlich sparsamen Gletscherlicht mitnichten der Fall. Das Licht ist hier nur eine Erscheinlichkeit von einer großen Nutzwirkung. Es fragt sich demnach: Worin besteht diese Nutzwirkung?
10. Höret, es soll euch die Sache gleich klargemacht werden!
11. Ihr wisst, dass eine gerechte Verteilung des elektromagnetischen Fluidums eine unerlässlich notwendige Bedingung alles naturmäßigen Lebens ist. Wären nun zu viele solcher Gebirgsspitzen in irgendeinem Land, so würden dieselben dieses elektromagnetische Fluidum also gänzlich aufspeisen, dass vom selben nicht ein Atom sich in die Tiefe herab verlieren würde; wären sie aber gar nicht da, nämlich diese hohen Gletscherspitzen, da wäre in der Tiefe wohl niemand mit seinem Leben in Sicherheit, sondern stünde bei jedem Schritt in der Gefahr, von einem sich leicht aus der Luft entwickelnden Blitz erschlagen zu werden.
12. Also seht, das ist eigentlich die Nützlichkeit, wovon das Leuchten nur als Erscheinlichkeit auftritt.
13. So aber doch jemand da wäre und Folgendes einwendete: „Was hat demnach das weitgedehnte Flachland z. B. Polens oder auch zum Teil Ungarns von der elektromagnetischen Sorgfalt des Großglockners für einen Nutzen?“
14. Darauf sage Ich aber: Dieser Gletscher liegt so wohlberechnet an seinem Punkt, dass – so er nur eine Stunde von seinem Posten weichen könnte – er nicht mehr ein Gletscher wäre, sondern, wie es dergleichen Berge genug gibt, nur ein kahler Steinberg.
15. Dass er aber ein Gletscher ist, rührt lediglich daher, weil er sich auf dem Punkt befindet, über welchem vom Nordpol aus eine hauptelektromagnetische Strömung sich bis zum Südpol hin erstreckt.
16. Diese Hauptströmung geht zwar über alle die Gletscher des Tiroler- und Schweizerlandes, und nur ein östlicher Arm läuft noch da, wo der Großglockner sich befindet. Von diesem Lebensstrom nimmt er gerade so viel auf, dass er damit all die Ländereien mit Hilfe der noch übrigen Gletscher also genügend beherrscht, dass sich da die wohltätige Wirkung nicht nur über ganz Europa, sondern noch über einen bedeutenden Teil von Afrika erstreckt.
17. Wenn sonach auch die vorbenannten größeren Flachländer Europas keine eigenen Gletscher haben, so geht aber auch über sie keine so bedeutende Strömung; für unbedeutendere Strömungen aber gibt es verhältnismäßig kleinere Berge überall in gerechter Menge, welche gar wohl imstande sind, solche kleineren elektrischen Strömungen zu regulieren.
18. Ihr werdet hier fragen: „Warum geht denn vom Nordpol bis zum Südpol keine allgemeine, gleichförmige Strömung?“
19. Wenn ihr so fragt, da müsst ihr schon noch öfter fragen und zwar: „Warum macht denn der Blitz nie einen geraden Zug und nicht auch einen allgemeinen, damit er doch wenigstens auf einen Hieb alles erschlagen könnte?“
20. Wieder müsst ihr fragen: „Warum fließt nur hie und da ein Bach, Fluss und Strom, und auch der nicht geradeaus, während doch alles übrige Flachland so gut des Wassers und der Bewässerung bedarf, als dasjenige, welches den Bach, Fluss und Strom begrenzt?“
21. Und wieder müsst ihr fragen: „Warum gibt’s in manchem Land so viele und bedeutende Seen, während in einem anderen Land wieder keine Spur davon zu finden ist?“
22. Und so gäbe es noch eine ganze Legion von Fragen. Allein diese drei überflüssigen mögen euch genügen, dass ihr daraus fürs Erste einseht, um wie vieles Ich weiser bin als die Menschen; und fürs Zweite, weil Ich eben um vieles weiser bin als die Menschen, so weiß Ich auch am allerbesten, warum Ich die elektromagnetischen Strömungen also vereinzelt anordnete und ihnen vorgezeichnet habe einen bestimmten Weg, auf welchem Weg unsere Gletscher ganz wohlgeordnete Meilenzeiger sind.
23. Und somit hätten wir auch den zweiten Grund des dritten Hauptgrundes. Und es bleibt uns demnach noch ein dritter übrig.
24. Hier werdet ihr euch freilich wohl sagen: „Wer da noch einen Grund herausbringt, der muss doch sicher mehr als fünf Einheiten zusammenzählen können!“
25. Und doch sage Ich euch, dass eben dieser dritte Grund der allerwichtigste und tüchtigste ist, und sage euch noch hinzu, dass dieser Grund euch zugleich auch am allernächsten liegt und ihr ihn auch somit zuerst finden solltet, so ihr – naturmäßig genommen – in den Augen eurer Seele kurzsichtiger wärt, als ihr seid. Denn die Kurzsichtigkeit der Seele ist ein gar gut Ding; denn je langsichtiger oder mathematisch verständiger die Seele ist, desto mehr lässt sie ihre Augen unter den fernen Fixsternen herumschweifen, dafür gehen ihr die Haare, die um ihr eigenes Auge gestellt sind, so gut wie gänzlich verloren.
26. „Was ist hernach denn dieser dritte Grund des dritten Hauptgrundes?“ werdet ihr fragen.
27. Und Ich sage: Geduldet euch nur ein wenig; Ich will euch darauf hinleiten und will sehen, ob ihr ihn nicht mit den Händen greifen werdet; und so habt denn Acht!
28. Habt ihr euch noch nie gedacht, warum ihr nur zwei Arme und an jedem Arm oder an jeder Hand nur fünf Finger habt? Und warum sind selbst diese Arme nicht wenigstens noch einmal so lang, als sie sind, und mit viel mehr Fingern versehen?
29. Oder habt ihr euch noch nie gefragt, warum ihr mit nicht mehr denn mit zwei Augen und zwei Ohren versehen seid, und diese nur an einer Seite des Leibes stehend, namentlich was die Augen betrifft? Es dürfte ja ein Auge, am Rücken angebracht, und allenfalls noch ein Ohr an einer Hand nicht unzweckdienlich sein.
30. Oder habt ihr noch nie darüber nachgedacht, warum bei den Bäumen nur gewöhnlich ein Ast am höchsten emporragt, die anderen dann natürlicherweise tiefer zu stehen kommen? Kurz, es sind der anzuführenden Fragen hier zur Genüge gegeben, und wir wollen sehen, ob wir durch sie nicht auf den dritten Grund kommen.
31. Wozu habt ihr die Augen? Diese Frage wird wohl jedes Kind beantworten, nämlich: Um damit zu sehen, oder – verständiger gesprochen –die erleuchtete Form der Außendinge wahrzunehmen.
32. Diese schwere Frage hätten wir ohne Anstand beantwortet und sehen dabei auch ein, dass uns zu diesem Zweck zwei Augen vollkommen genügen.
33. Jetzt kommt die andere schwere Frage: Wozu dienen uns die Ohren? Auch mit dieser Frage werden die Kinder bald fertig sein und sagen: „Damit wir hören, oder – verständiger gesprochen – damit wir die Bewegungen und die Begegnungen der Dinge außer uns in uns selbst wahrnehmen.“
34. Also wären wir auch mit dieser schweren Beantwortung fertig – und die Erfahrung lehrt, dass auch zu dem Zweck zwei Ohren hinreichend genügen, und man könnte eher sagen, dass so mancher oft an den zwei Ohren wie an den zwei Augen schon zu viel hat.
35. Aber jetzt kommen die Hände!
36. Ich meine, auf diese Frage können wir uns füglich die Antwort ersparen.
37. Dass übrigens die zwei Hände zu jeder Verrichtung genügen, hat seit Adams Zeiten die Erfahrung aller Zeiten mehr als hinreichend bestätigt, nachdem die Menschen mit diesen zwei Händen nur viel zu viel gerichtet und angerichtet haben.
38. Fällt euch nun der dritte Grund noch nicht ein?
39. So hört denn! So gut als jeder Leib eines Menschen, eines Tieres, ja sogar eines Baumes, Gesträuches und einer Pflanze gewisse Extremitäten haben muss, um sich mit Hilfe derselben in die Korrespondenz mit der Außenwelt zu setzen, also muss es auch die Erde haben. Und sonach sind unsere Gletscher Augen, Ohren und Hände der Erde, mittels welcher sie sich bei ihrer weiten Reise um die Sonne und mit der Sonne durch das weite Sonnengebiet in allerlei Korrespondenzen zu setzen hat. Und zwar zuerst in die wichtige Korrespondenz des Schauens – denn ihr dürft es glauben, dass die Planeten durchaus nicht blind ihre Bahnen durchziehen. Und fürs Zweite – sich dadurch in die Korrespondenz zu setzen, um aufzunehmen die harmonischen Früchte der großen Bewegung anderer Weltkörper und der Bewegungen des Äthers und des Lichtes und allerartigen Strömungen auf ihr selbst. Und fürs Dritte dann mit diesen Extremitäten auch die gehörige Aktion auszuüben, welche sie nötig hat, um fürs Erste ihre Bewegung selbst zu regulieren und dadurch auch zu der regelmäßigen Bewegung anderer Weltkörper beizutragen, und fürs Zweite alle die euch schon bekannt gegebenen nützlichen Verrichtungen zu bewerkstelligen.
40. Seht, das ist somit der dritte und, wenn ihr ein wenig nur nachdenkt, auch sicher der wichtigste Grund – fürs Erste des Daseins solcher Gletscher, und fürs Zweite auch ihrer bei Weitem geringere Anzahl gegen die anderen Berge, und fürs Dritte auch für den Ort und die Stelle, wo sie sich befinden.
41. Und somit hätten wir auch, soviel es für euch notwendig zu wissen ist, die naturmäßige Nützlichkeit dieser Berge dargestellt. Denkt aber dabei ja nicht, als sei das schon ein geschlossener Kreis, sondern da hat jeder hier aufgestellte Punkt noch seine endlos vielen nützlichen Ausläufer und ein jedes Atom seine entschiedene ganz eigentümliche Nutzwirkung.
42. Wie vielfach demnach die Nutzwirkungen eines solchen Gebirgslandesvaters sind, wahrlich, da hätte ein allervollkommenster Engelsgeist mit der geläufigsten Zunge und der allereinfachsten Sprache für eine ganze Ewigkeit genug zu reden!
43. Mehr brauche Ich euch nicht zu sagen. Jedoch, wie viel auch immerhin die naturmäßigen Nutzwirkungen eines solchen Berges in sich enthalten, so wiegt aber jedoch eine einzige geistige, die ihr später vernehmen werdet, schon alle samt und sämtlich auf.
44. Die Folge jedoch wird euch alles dieses in zweckmäßiger Kürze vollkommen klarmachen, was ihr jetzt kaum dunkel ahnt.
45. Und somit lassen wir es für heute wieder gut sein.
Am 11. Mai 1842
1. Ihr werdet euch schon aus den früheren Mitteilungen mit so viel Licht versehen haben, dass es euch nun schon klar sein darf, dass alle Materie an und für sich nichts anderes ist als ein durch Meinen Willen gefesteter Gedanke aus Mir.
2. Diesem Grundsatz gemäß wird demnach wohl auch unser Großglockner nichts mehr und nichts weniger sein, als was da alle andere Materie ist.
3. Was ist demnach für ein Unterschied zwischen dem eigentlichen Geistigen und dem diesem entgegengesetzten Materiellen, nachdem das eine wie das andere ein Produkt Meines Willens ist?
4. In der produktiven Hinsicht waltet da kein Unterschied ob – aber ein desto größerer in der Wesenheit.
5. Dieses wird euch zwar ein wenig befremden; allein seht nur einen Künstler unter euch an.
6. Was ist bei ihm der Grund aller seiner Produktionen? Ihr könnt da unmöglich einen anderen finden und angeben als den alleinigen seines Willens, welches mit anderen Worten ebenso viel heißt als: Alles, was er nur immer hervorbringt, muss er zuvor wollen; denn ohne diesen Grund wird er wohl schwerlich je etwas hervorbringen.
7. Ist aber das nun eine notwendige Folge, dass da ein und derselbe Wille immerwährend auch ein und dasselbe produzieren muss?
8. Ihr müsst euch sagen, dass dies nicht der Fall ist, denn nicht im Willen allein liegt die Verschiedenheit, sondern die Liebe zeichnet die Modifizierung der Produkte vor, und der Wille spricht nur das einfache „Es werde!“ hinzu, und so wird es auch, was die Liebe zuvor gezeichnet hat.
9. Nun seht, geradeso geht es auch bei Mir zu. Meine unendliche Liebe bildet die Formen, und die Kraft der Liebe, welche da heißt der Wille, lässt sie hervortreten. Einen Teil dieser Formen hält der Wille zufolge des Begehrens der Liebe gefestet; aber wieder anderen gibt eben dieser Wille nach dem Verlangen der Liebe die stets lebendiger werdende Freiheit.
10. Und so entspricht die Materie, Meinem Willen nach, der Liebe dadurch, dass sie sei ein gefesteter Grund als letzte Unterlage alles Geistigen; und ist somit im Vergleich der Liebe das, was da Meine Erbarmung genannt wird.
11. Das Geistige aber entspricht dann der lebendigen Freiheit Meiner eigenen Liebe selbst und ist das, was da genannt wird die Gnade, oder das eigentliche Sich-selbst-bewusst-Sein jeder freien Wesenheit, die da entstammt dem freien Leben Meiner Liebe; und ist geistig vollkommen ebenbildlich mit ihr.
12. Aus dieser kurzen einleitenden Vorangabe könnt ihr nun schon sehr leicht entnehmen, dass, wo sich nur immer Materie wie immer gestaltet vorfindet, auch notwendig Geistiges vorhanden sein muss; denn wenn die Materie eine Erbarmung ist, so kann diese Erbarmung als ein Lösemittel ja doch nicht für sich selbst da sein, sondern sicher für eine höhere Potenz, an welche eben diese Erbarmung gerichtet ist. Oder habt ihr euch jemals schon der Erbarmung selbst erbarmt?
13. So ihr euch aber schon jemandes anderen erbarmt, so wird wohl auch sicher Meine Erbarmung für jemand anderen da sein und nicht um ihrer selbst willen.
14. Somit haben wir alsdann auch die gewisse Notwendigkeit der Materie für eine höhere Potenz dargetan. Wo muss denn aber die höhere Potenz sich aufhalten? Das ist eine sehr wichtige Frage.
15. Wenn z. B. irgendein dürftiger Mensch sich befinden möchte in einer abendlichen Gegend, sagt Mir, so ihr euch dieses Menschen erbarmen würdet, um ihm aus seiner Not zu helfen, werdet ihr da mit eurer Erbarmung nach Morgen ziehen – oder werdet ihr euch nicht vielmehr mit eurer Erbarmung dahin wenden müssen, wo sich der Hilfsbedürftige befindet? Und so ihr ihn da finden werdet, werdet ihr mit eurer Erbarmung nicht bei ihm verbleiben?
16. Wenn ihr diese Fragesätze nur mit einiger Aufmerksamkeit durchgeht, so muss es euch ja auf der Stelle einleuchtend werden, dass ein Armenspital und die Armen doch sicher stets beisammen sind. Und so wird es auch mit der Materie und mit den geistigen Potenzen sein, nämlich dass sie sich erfassen und eins das andere enthalten.
17. So ihr aber auf der Erde ein mehr und mehr ausgezeichnetes und somit auch größeres und größeres Armenhaus antrefft, da werdet ihr wohl auch den ganz natürlichen Schluss ziehen, dass ein ausgezeichneteres und größeres Armenhaus mehr Arme fassen wird denn ein kleineres und weniger ausgezeichnetes.
18. Demnach verhält es sich auch mit der Großartigkeit und Auszeichnung der Materie; je ausgezeichneter und großartiger ihr sie irgendwo antrefft, für desto mehr geistige Potenzen ist sie auch da.
19. Sonach wollen wir denn wieder einen Blick auf unseren Großglockner machen.
20. Seht ihn an, wie großartig und ausgezeichnet er dasteht, wie ein König unter den Bergen! Denn wo sich anderer Berge Spitzen in kahle Felsen verlieren, eben da fängt unser Großglockner erst mächtig an, sich über all seine kahlen Nachbarn zu erheben. Und seht an seine mehrere Stunden weite Ausdehnung nach allen Seiten; seht an, wie er mit ewigem Schnee und Eis bedeckt ist; seht an die vielen Bäche, die von seinen Zinnen herabstürzen, und seht an seine steilen Scheitel, wie sie nahe beständig mit weißlichen Wolken umlagert sind! Ja, ihr werdet diesen Berg schon aus weiter Ferne erkennen und mit Sicherheit sagen: „Das ist ganz bestimmt unser Großglockner, denn sein Schneeglanz, seine Höhe und seine Umlagerung mit beständigem Gewölk ist ein sicherer Bürge für unsere Annahme.“
21. Seht, also werdet ihr ihn ausgezeichnet finden. Da er aber also ausgezeichnet ist, so wird er auch sicher eine ausgezeichnete Anstalt sein – oder er ist da gewisserart ein großer Brocken Meiner Erbarmung.
22. Wir haben schon aus dem naturmäßigen Teil dieses Berges eine weitgedehnte Großartigkeit seiner Nutzwirkungen vernommen. Fragt euch aber selbst dabei: „Wären solche wohl nur denkbar möglich, so da nicht geistig-intellektuelle Potenzen zu Hause wären, welche alles dieses leiten, oder wäre eine Wirkung ohne zusagende Kraft oder Kräfte möglich?“
23. Seht, die Kräfte, welche aber hier solches wirken, sind ja eben die geistigen Potenzen, durch welche alles dieses verrichtet wird!
24. Es ist jetzt nur die Frage: Sind diese naturmäßig nutzwirkenden Erscheinungen vonseiten dieses Berges der Hauptzweck der ihn umgebenden und ihm innewohnenden geistigen Potenzen? Oder sind sie nur ein Nebenzweck, durch welchen alle diese geistigen Potenzen für einen anderen Zweck heranreifen sollen?
25. Diese Frage kann ein kurzes Beispiel hinreichend beantworten, und zwar wieder durch eine Frage: Was ist denn beim Aussäen der Samenkörner in die Erde der Zweck dieser Arbeit? Ist es die Aussaat an und für sich, oder hat die Aussaat noch einen höheren Zweck vor sich?
26. Es wird zwar durch das Verwesen der Samenkörner die Erde gedüngt und somit nach und nach fetter gemacht; aber ihr werdet doch sicher diese Nutzwirkung der Aussaat nicht als den Hauptzweck solcher Handlung betrachten, sondern werdet sagen: „Wir säen das Korn nur darum in die Erde, damit daraus ein neuer Fruchthalm werde, der uns vielfach wiedergebe das, was wir zuvor einfach in die Erde gelegt haben.“
27. Seht, also verhält sich die vorerwähnte naturmäßige Nutzwirkung dieses Berges geradeso zu einem höheren Zweck dessen Daseins, als sich da verhält die Düngung des Erdreichs durch das Verwesen des Körnchens in der Erde zu dessen entstandener vielfach lebendiger Frucht.
28. Aus diesem werdet ihr nun schon ein wenig zu erkennen imstande sein die Richtigkeit dessen, was Ich am Schluss der Darstellung der naturmäßigen Nutzwirkungen dieses Berges erwähnt habe, wo gesagt ist, wie hoch ein geistiges Pünktlein oder Atom über allen bis jetzt erwähnten naturmäßigen Nutzwirkungen dieses Berges steht.
29. Dieses bisher Gesagte betrachtet daher nur als eine notwendige Vor- und Einleitung, ohne welche ihr das Folgende schwerlich verstehen würdet.
30. Was aber da speziell folgen wird, wollen wir auf eine nächste Mitteilung aufbewahren; und somit lassen wir es für heute wieder gut sein.
Am 12. Mai 1842
1. Wenn ihr euch zurückerinnern wollt an manche andere Meiner euch gegebenen Enthüllungen aus der Natur, allwo namentlich dargetan wurde, wo die Tierwelt ihren Ursprung nimmt, so wird euch sobald klar werden, warum in der Einleitung unser vorliegender Berg ein ausgezeichnetes und großes Armenhaus genannt wurde.
2. Seht, vorzugsweise halten sich auch gewöhnlich noch sehr irdisch gesinnte Seelen und Geister in der Region ihres vormals im Leib bewohnten Planeten auf. Diese Geister sind nicht selten voll Ärger, Bosheit und Ingrimm, darum sie so bald ihr zeitlich gutes Leben haben verlassen müssen, und wollen sich nun dafür auf jede mögliche Weise rächen. Obschon sie zwar die Erde direkt nicht sehen können – wie überhaupt kein Geist etwas natürlich direkt zu sehen vermag, was außer ihm ist, sondern nur, was in ihm ist –, so wissen sie aber auf dem Weg innerer Entsprechung doch genau, wo oder in welcher Gegend der Erde sie sich befinden; – und weil sie als Geister mit den naturgeistigen Potenzen in sichtbarem Konflikt [Kontakt] stehen, so vereinigen sie sich auch bald mit ihnen, um dadurch, wo nur immer möglich, der sie so frühzeitig im Stich lassenden Erde zu schaden.
3. Da sie im geistigen Zustand auf dem Weg der Entsprechung auch wohl wissen, dass so ein Gebirgsriese der Erde ein naturmäßiger Nutzwirker ist für alle Ländereien um ihn, so halten sie sich auch besonders gern in seiner Nachbarschaft auf. Beseht nun das Bild – so euch schon die Gelegenheit mangelt, diesen Berg in der Wirklichkeit in Augenschein zu nehmen –, und ihr werdet euch sobald überzeugen, wie da rings um ihn Felsenmassen über Felsenmassen sich auftürmen, in deren Schluchten, Krümmungen und Windungen nicht selten auf ja und nein plötzlich dunkelgraue Wolken aufsteigen, und wenn sie über die Scheitel der höchsten Felsspitzen sich erhoben haben und gewisserart unseren Großglockner erblicken, sich dann doch wieder zurückziehen, und sind oft trotz eines noch so heftigen Windes nicht aus ihren Schlupfwinkeln zu bringen.
4. Seht, diese Erscheinlichkeit ist schon ein sicheres Zeichen vom Dasein solcher missmutigen und böswilligen Geister – und zwar schon in der Verbindung mit den naturgeistigen Potenzen.
5. Erhebt ihr aber eure Blicke höher hinauf zu den weißen Flächen unseres Gletschers, so werdet ihr da ebenfalls fast beständig Wolken und Nebel entdecken, welche aber von einer nahe blendend weißen Farbe sind. Diese Wolken und Nebel sind ebenfalls Träger von Geistern, aber von Geistern guter Art. Die zu allerhöchst Schwebenden sind dazu bestimmte Engelsgeister, und die mehr in der Tiefe des Gletschers schwebenden Nebel, welche gewöhnlich linealförmige Streifwolken bilden, sind zwar ebenfalls Geister guter Art, aber noch nicht völlig reif für die Höhe und müssen sich erst durch getreue Wachsamkeit und mannigfache Kämpfe gegen die argen Geister für die Höhe geeignet, reif und tüchtig machen.
6. So ihr in der Gegend wärt und möchtet da oft tagelang dieser Nebelspielerei zusehen, da würde es euch auch nicht im Traum einfallen, dass es zwischen diesen luftigen Potenzen je zu einem Kampf kommen könnte; jedoch wer da Zeit hätte abzuwarten, bis unter diesen leichten Potenzen es wirklich zu einem kommt, der dürfte auch sicher darauf rechnen, dass ihm während dieses Kampfes das Hören und Sehen vergehen möchte vor tobender Angst in ihm.
7. Wie kommt es aber da zu einem Kampf? Was ist da die gewöhnliche Veranlassung dazu? Wissen wir einmal die Veranlassung, so wird uns auch die Ursache nicht unbekannt bleiben.
8. Seht, die bösen Geister, deren schon früher erwähnt wurde, gehen immer mit dem Rachegedanken um, sich einmal dieses Länderwohltätigkeitsthrones zu bemächtigen, um dann vom selben aus nach allen Seiten gehörig Unheil ausstreuen zu können. Aus dieser Ursache rotten sie sich in den unteren Schlupfwinkeln zusammen und machen kleine Ausflüge, um zu rekognoszieren [erkunden], wie es mit der Wache und der Besatzung des Thrones steht. Bemerken sie, dass es ziemlich blank um ihn aussieht, so geht diese Nachricht weit und breit mit aller Gedankenschnelligkeit hin, und wo da nur immer eine so recht zerklüftete Gebirgsspitze sich befindet, da werden sich auch sogleich überall große Massen von gleich dunkelgrauen Wolken herauszuziehen und in die Höhe zu erheben anfangen, und wenn ehedem der Himmel ganz rein war, so ist er bald ganz dicht umhüllt, nicht selten in wenigen Minuten schon, von solchen oft ganz schwarzen Wolkenmassen, welche da kreuz und quer ziehen und sich auf Umwegen dem Thron nähern, damit durch diese Bewegung die Thronwachen möchten in die Irre geführt werden.
9. Bei solcher Gelegenheit ist dann auf eine kurze Zeit der Großglockner auch gewöhnlich ganz wolkenlos und nebelfrei; denn sobald die Wächter solche Schelmerei von den argen Geistern sehen, da ziehen sie sich sobald zusammen und verbergen sich sorgfältig in den inneren, großen Kristalltempeln dieses Berges.
10. Wenn nun die Hauptanführer der weitgedehnten argen Rotten sehen, dass der Thron unbesetzt ist, so kommandieren sie sobald ihre losen Truppen, sich so hoch als möglich zu erheben und dann behände über den Thron herzufallen und alles, was da in den inneren Gemächern angetroffen wird, für immer gefangen zu nehmen und zu erdrücken.
11. Auf dieses Kommando stürzt nun das graue Gesindel mit für euch, die ihr eine solche Naturszene noch nicht gesehen habt, unglaublicher Hast auf unsern Großglockner hin, bei welcher Gelegenheit es dann in seiner Nachbarschaft selbst um die Mitte des Tages so finster wird, dass die Menschen in seinen nahe gelegenen Tälern nicht selten zu Kerzen- und Lampenlicht ihre Zuflucht nehmen müssen. Bei dieser Gelegenheit wird’s dann gewöhnlich ganz still – was den Grund hat, weil die argen Geister nun der Meinung sind, dass sie endlich einmal gesiegt haben. Allein solche ruhige Szene dauert zuallerlängst höchstens sieben und siebzig Minuten. Nach dieser Zeit werdet ihr bemerken, dass sich aus den Eisklüften sehr dichte weiße Wolken zu ziehen anfangen. Diese breiten sich dann in kurzer Zeit unter den schwarzen Wolken aus, und wenn sie sich gehörig weit und dicht ausgebreitet haben, da fangen sie sich dann an unvermerkt zu erheben und tragen dann das schwarze Gesindel gewisserart auf ihrem Rücken immer höher und höher.
12. Wenn nun das schwarze Gesindel solche List merkt, da macht es bald irgend Luft und lässt das weiße Gewölk durchpassieren. Solches wissen die Geister des weißen Gewölks gar wohl und wissen, dass sich die argen Geister dabei denken: „Zieht ihr nur hinaus; wenn ihr einmal vollends draußen seid, da werden wir ja wohl sehen, wer den Thron in Besitz nehmen wird!“
13. Wenn demnach die weißen Wolken sich samt und sämtlich über die schwarzen hinausgezogen haben, so breiten sie sich in der Höhe nicht selten gleich einem Netz viele Meilen nach allen Seiten mit Blitzesschnelligkeit aus und nehmen das gesamte arge Gesindel einfach [einzeln] gefangen.
14. Wenn aber nun das arge Gesindel durch allerlei geistig-telegraphische Depeschen die Nachricht bis zum Thron hin empfängt, dass die weißen Geister es allenthalben umzingelt und gefangen haben, so werden die Helden, welche sich schon über den Thron hergemacht haben, überaus ergrimmt über die List der weißen Geister. Sie fangen da an, alle ihre Truppen zu konzentrieren, und dadurch die weißen Massen zu brechen, und dieser Moment ist dann auch der Anfang des eigentlichen Kampfes.
15. Hier würdet ihr zuerst ein ungeheures Toben und Tosen in dieser schwarzen Wolkenmasse gewahren. Dieses Toben und Tosen rührt her von dem Sichaneinander-Drängen dieser Geister und von dem immer mehr und mehr Ergrimmtwerden. Je mehr aber diese argen Geister sich abmühen, die oberen vernichtend zu durchbrechen, desto mehr auch werden sie von den oberen entgegengedrückt.
16. Bei dieser Gelegenheit fangen sich dann die unteren Geister in ihrem Grimm zu entzünden an, und sobald gibts da eine so feurige Szene ab, dass nicht selten in einer Minute mehr denn Hunderte der heftigsten Blitze mit großem, erderschütterndem Gekrache nach allen Seiten hin fahren, um die herabbohrenden weißen Massen zu töten, und in die Höhe, um die Hauptanführer der weißen zu verderben, und in die Tiefe oder auf die Erde, um den Thron zu vernichten.
17. Seht, das ist nun das erste Manöver! Aber wenn die Geister der weißen Massen gewahren, dass den unteren feindlichen Rotten gewisserart die Munition ausgegangen ist, da erfassen die weißen Geister plötzlich in allen Teilen die schwarzen und drängen sie so fest aneinander, wie fest da ist ein wirklicher Stein, und schleudern sie dann mit der größten Heftigkeit hinab auf die Erde, und natürlicherweise zum größten Teil auf die weitgedehnten Eisflächen des Thrones selbst, wie auch in weiteren Umkreisen, jedoch in kleineren Knoten, als Hagel in die Tiefen herab. Bei dieser Gelegenheit könnt ihr auch die Ursache dessen sehr leicht begreifen, warum – namentlich über die Eisfelder des Großglockners – nicht selten zentnerschwere Eismassen den Wolken entstürzen, und oft in solcher Dichtigkeit, dass da gewisserart ein Eisblock den andern vor sich hertreibt.
18. Wenn auf diese Weise das schwarze Gesindel samt und sämtlich besiegt am Boden liegt, so lassen die weißen Geister noch einen Regen, welcher da schon aus den Friedensgeistern besteht, über diese Besiegten herabstürzen, lösen sich endlich selbst in einen schneidend kalten Wind auf und binden dadurch die Besiegten auf längere Zeit an das frühere Eis des Thrones. Dadurch verschaffen sie diesen argen Wesen wieder eine Ruhe, in welcher sie sich dann gewöhnlich mit der Länge der Zeit eines Besseren besinnen. Und ist solches eingetroffen, dann löst sich das eisige Band oder die naturmäßig-geistige Potenz wieder zu fließendem Wasser auf und dem also gedemütigte Geist wird wieder der Gebrauch seiner Freiheit anheimgestellt.
19. Bessert er sich, so wird er bald in die unteren Reihen der Friedensgeister aufgenommen; bessert er sich aber nicht und wiederholt bei einer andern Gelegenheit solchen Angriff – was leider am öftesten der Fall ist –, so wird er dann wieder auf die ganz gewöhnliche und einfache Weise gefangen genommen, aber allzeit ein bisschen länger in der Gefangenschaft gehalten.
20. Seht, das ist die erste Geisterszene, die sich vorzugsweise da ereignet, wo es sich natürlicherweise um einen wenigstens vermeintlichen Thron handelt. Aber diese Szene ist nicht die einzige, die da vor sich geht, sondern es gibt dann auch gar viele, welche aber nicht so wie diese in die naturmäßige Erscheinlichkeit mehr herüberragen, sondern sie offenbaren sich mehr dem Gefühl derjenigen auf mannigfache Weise, welche je Gelegenheit haben, wenigstens einen unteren Teil eines solchen Berges zu besteigen.
21. Um jedoch bei unserer Darstellung dieses Berges nicht in eine zu lange Ausdehnung zu geraten, wollen wir bei der nächsten Gelegenheit nur noch zweierlei eine kurze Aufmerksamkeit widmen und uns dann schnell auf den evangelischen Teil, welcher für euch der bei Weitem wichtigste ist, zuwenden.
22. Und so lassen wir es für heute wieder bei dem bewendet sein.
Am 13. Mai 1842
1. Ihr habt in der gestrigen Mitteilung vernommen, dass nach der endlichen [zeitweiligen] Gefangenschaft wieder die Befreiung eintritt, und die also zur Besinnung und Ruhe gebrachten Geister, so sie sich vollends gebessert haben, entweder angenommen werden zu den Friedensgeistern der unteren Stufe, oder es wird ihnen eine neue Freiheitsfrist eingeräumt. Seht, da ist auf etwas ein achtsames Auge zu haben: wohin dann solche der eigenen Freiheit überlassenen Geister beschickt werden?
2. Seht, wenn da die naturmäßigen Geisterpotenzen sich wieder auflösen zu fließendem Wasser, so werden eben solche frei gewordenen Geister mit dem Wasser gewisserart freiwillig gebunden und müssen dann die Reise bis in das Meer machen.
3. Ihr werdet euch denken: „Warum denn solches?“
4. Seht, gerade aus dem Grund, als so jemand auf der Erde, der da einen Schaden angerichtet hatte, oder im Augenblick, als er den Schaden verüben wollte, gefangen wird, und ihm dann die Obrigkeit eine solche Besserungsstrafe auferlegt, dass er entweder den Schaden gutzumachen und nebstbei noch eine Reue oder Strafgeld zu entrichten hat für den bösen Willen.
5. Seht, gerade aus eben dem Grund müssen solche Geister in jenem Staat, wo es viel genauer zugeht als auf der materiellen Welt, jeden verübten Schaden – wie auch jenen, den sie haben verüben wollen – bis auf den letzten Heller gutmachen und zudem noch für ihren bösen Willen eine vollkommen angemessene Buße verüben, und erst dann, wenn solches alles genau befolgt worden ist, können sie in die erste Stufe der geistigen Vollendung aufgenommen werden.
6. Ihr werdet wieder fragen: „Ja, wie können denn diese Geister im Meer das wieder gutmachen, was sie der Erde in einem dem Meer weit entlegenen Land entweder schon geschadet haben oder doch wenigstens haben schaden wollen?“
7. Natürlicherweise können sie das im Weltmeer wohl schwerlich gutmachen; aber da im Geiste niemand was Gutes wirken kann, wenn er nicht selbst gut ist, so bezeugt diese Erscheinlichkeit das, dass die Geister in diesem Zustand sich vollends demütigen müssen, bevor sie fähig werden, für den Schaden Gutes zu üben; und weil demnach das Meer und dessen Grund der Erde immerwährend tiefsten Teile sind, so müssen demnach solche hochtrabenden Heldengeister diese Demütigungsreise machen, um dadurch mit der Zeit aus dieser ihrer Demütigung als Neu- und Wiedergeborene aufzusteigen in die Sphären der Nutzwirkungen.
8. Es fragt sich jetzt: Werden solche Geister auch wirklich nach vollbrachter Reise gebessert?
9. Da gibt’s verschiedene Abstufungen: Einige bessern sich schon auf dem Weg und können sich da aus dieser feuchten Landstraße entfernen und zurückkehren, allda sie dann erforscht und aufgenommen werden, so in ihnen nichts Arges gefunden wird. Solchen Austritt könnt ihr dadurch merken, wenn am Morgen den Bächen, Flüssen und Strömen weiße Nebel entsteigen, dann bald von der Sonne aufgezogen werden mit Hilfe der naturmäßigen Potenzen, in der Höhenregion aber dann bald aus diesen naturmäßigen Potenzen treten und dem naturmäßigen Auge unsichtbar werden.
10. Eine andere Art dieser Geister aber ist diejenige, welche aus einem wieder erwachten geheimen Ärger sich bei der Nachtzeit sozusagen aus dem Staub macht und in anfangs sichtbarer Gestalt von grauen Nebeln sich in den Gräben, Schluchten und Klüften der Berge verbirgt, um bei einem nächsten Angriff wieder tätigst mitzuwirken.
11. Eine dritte Art von solchen Geistern macht zwar den Weg wirklich bis ins Meer; wenn sie aber da angelangt sind, so retten sie sich nach den verschiedenen Arten ihrer Bosheit und machen sich dann über das Meer her. Und wehe dann dem Schifffahrer, der da in ihre luftigen Hände gerät! Wenn er noch mit dem naturmäßigen Leben davonkommt, so wird er Wunderdinge von der verheerendsten Art der Meeresstürme erzählen können. Wenn aber diese argen Patrone eine solche Bosheit ausüben wollen, da senden sie zuvor ein oder zwei ganz locker gestaltete Wölkchen gewisserart zur Spionierung über die Meeresfläche empor – welche Wölkchen der erfahrene Schiffer gar wohl kennt –, um zu rekognoszieren [erkunden], ob sich von nirgends woher etwa von den Friedensgeistern etwas sehen lässt. Sind da noch irgendwo solche Friedensgeister zu erschauen, so verschwinden diese Wölkchen plötzlich – bei welcher Gelegenheit da auch äußerst selten an einen bedeutenden Sturm zu denken ist.
12. Erschauen aber diese böswilligen Spione keine feindlichen Truppen irgendwo, da erheben sie sich höher und höher, und im Zeitraum von wenigen Minuten ist der freie Raum über dem Meer in allerdichteste Sturmwolken gehüllt, aus welchen gar bald die allerheftigsten Windstöße das Meer aufzuwühlen anfangen, und tausend und tausend Blitze werden da hinabgeschleudert auf diejenigen Geister, welche den ernsten Weg der Besserung eingeschlagen haben. Allein, wie solche rebellischen Geister schon überall schlecht zuteil kommen, so nimmt auch diese Unternehmung ein allzeit schlechtes Ende für sie; denn da werden sobald von unseren Hauptlandeswächtern in Gedankenschnelle friedliche Heere von Geistern abgesendet. Diese werfen sich dann sobald über die tobenden argen Scharen — schleudern dieselben gewöhnlich im Hagel oder heftigen Regen ins Meer und entbinden bei dieser Gelegenheit die demütigen Geister ihrer freiwilligen Haft. Diese Patrone der Bosheit aber werden dann ebenso schnell entweder, wenn sie nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben, dem Nordpol zu befördert; die Helden aber müssen sich schon bequemen, auf eine sehr lange Zeit in das harte Eis des Südpols zu beißen.
13. Seht, also endet die Szene dieser Geister: Die argen werden an ihren Ort befördert, die guten aber werden aufgenommen zur vielfachen Nutzwirkung.
14. Worin besteht denn diese?
15. Die erste Arbeit ist diese, dass solche Geister beschickt werden auf die verschiedenen Alpen – und zwar an jene Stellen, welche in kahle Felsspitzen sich verlieren –, um dort für die Erhaltung derselben wie auch für die bedingte Auflösung derselben unablässige Sorgfalt zu tragen, aus welchem Grund sie da alle Feuchtigkeiten in die Poren des Gesteins so verteilen müssen, dass das Gestein dadurch von innen aus immerwährend seine gleiche Festigkeit und Eigenschaft behält; anderseits aber müssen sie das abgelöste Gestein also weiter in die Tiefe befördern, dass es nach und nach der erlösenden Bestimmung immer näher kommt.
16. Wenn sie irgendeine solche Sorge verabsäumen, so geschieht es dann öfter, dass ihnen arge Geister hinter dem Rücken dadurch einen Possen spielen, dass von ihnen ein ganzer Felsblock losgemacht und in die Tiefe geschleudert wird, was jedoch nur zumeist bei großen Aufständen geschieht. Bei solcher unvorsichtigen Gelegenheit müssen sie dann einen solchen abgelösten Teil wohl versorgen, dass er entweder irgendwo einen sicheren Ruhepunkt findet, oder sie müssen ihn bis zu einem Bach oder Fluss bringen, damit dadurch die in ihm verschlossenen, noch nicht geborenen Geister zu keinem vorzeitigen Ausbruch kommen; denn geschähe da solches, so wäre es nahe um die ganze Erde geschehen. Daher werdet ihr einen solchen abgelösten Stein gewöhnlich in einem Graben, da eine Quelle sich befindet, antreffen, oder ihr werdet ihn treffen bis über die Hälfte in der Erde sitzend und da mit allerlei Moos umgeben, oder ihr werdet ihn auch treffen, entweder zerstückelt oder als ganz, in irgendeinem bedeutenden Bach oder Fluss.
17. Und das ist demnach auch die Ursache, warum nicht selten mehrere hundert und tausend Zentner schwere Steinblöcke allda in den Flüssen und Bächen angetroffen werden, wo es weit und breit fürs Erste keine solchen Felsgebirge gibt, und fürs Zweite auch keine ähnliche Steingattung.
18. Die Naturforscher werden hier freilich sagen: „Was ist das für lächerliches Zeug! Solches übt ja nur das Wasser durch seine Schwere, welche zunimmt, je schneller und heftiger der Fall wird.“
19. Blos in naturmäßiger Hinsicht haben sie wohl recht, wie derjenige, der da sagt, dass zwei mal zwei vier ist. Weiß aber der Mathematiker auch, was alles seinem Produkt zu Grunde liegt? Kennt er die Einheiten, aus welchen er sein Produkt gebildet hat? Er kennt wohl die Zahl der seinem Auge und seinem Verstand gleichartigen Dinge; kennt er aber auch das Wesen der Dinge in ihrem Grund, die er gezählt hat? Kann er berechnen die unendliche Vielheit und Verschiedenheit der Teile und Kräfte, welche zur Bildung eines Dinges notwendig sind?
20. Wahrlich, wenn er das vollends erkennte, da würde es ihm auch ganz klar werden, wie seicht seine Berechnung der Dinge war, wo er vermöge ihrer Gleichartigkeit vier Stücke zusammengezählt hat.
21. Wie also bemerkt, geht’s auch unserem Naturforscher bei seiner Darstellung nicht nur um nichts besser denn unserem Mathematiker, sondern noch um vieles schlechter. Denn er sieht das Wasser fließen; aber was dazu erforderlich ist, um eben das Wasser fließen zu machen und demselben den gerechten Grad der Schwere zu geben und dabei aber wohl zu wissen, worin an und für sich die Schwere besteht – seht, das möchte unserem scharfsinnigen Naturforscher wohl etwas zu unsichtbar sein. Denn dass das Wasser nach irgendeinem geneigten Bett sich fortbewegt, das merkt auch derjenige, der gerade kein Naturforscher ist. Wer trägt denn aber das Wasser auf die Höhe der Berge, sammelt es daselbst und befördert es nutzwirkend in die Tiefe? Seht, das wäre schon wieder eine andere Frage! Man wird auch hier mit dem inneren Druck und mit dem Gesetz der wechselseitigen Anziehung zum Vorschein kommen; wenn Ich aber dann frage: Wer übt denn den Druck und die wechselseitige Anziehung aus? Da wird es auch sicher aus sein mit der Antwort.
22. Solches setze Ich aber darum hierher, damit euch das vorerwähnte erste Geschäft der Geister nicht so sehr befremden soll; und daher glaubt es, dass auf der ganzen Erde ganz bestimmt nichts ist und geschieht, was da nicht ausginge von den Geistern aller Art, entweder guten oder argen.
23. Wenn ihr denn alsonach auf irgendeine Alpe geht – was euch allzeit sehr vorteilhaft ist –, so werdet ihr hier und da auf Stellen kommen, wo es so recht zerstört aussieht, darob euch dann auch ganz unheimlich zumute wird und ihr glaubt, da sei alles in den starrsten Tod begraben; aber gerade da geht es umso lebendiger zu, denn da haben solch nutzwirkende Geister vorerwähnter Art am meisten zu tun, zu sorgen und zu wachen, damit, dass mit der Zeit wieder alles in die schönste Ordnung gebracht wird. Wo es aber euch auf einer Alpe ganz wohl und hehr erbaulich zumute wird, wie z. B. auf solchen Stellen, da die Alpe mit allerlei wohlriechenden Kräutern bewachsen ist, da hausen auch schon seligere und friedsame Geister, deren Geschäft ein ruhigeres, aber zugleich auch – geistig genommen – viel großartigeres ist denn das der früheren.
24. Wenn ihr aber auf jene Höhen gelangt, die schon mit immerwährendem Schnee und Eis bedeckt sind, und die reine und frische Luft euch für die Länge der Zeit unerträglich wird, da auch fängt schon der vollendeten Geister erste selige Region an oder, so ihr es annehmen wollt, da greifen oder reichen der Himmel und die Erde sichtbar zusammen; denn die irdische Kälte bedeutet da eben den gänzlichen Mangel der Eigenliebe und somit den höchsten Grad der Nutzwirkung naturmäßig genommen, d. h. vom Geistigen aus ins Naturmäßige übergehend betrachtet.
25. Wer von euch somit je in eine solche Gebirgshöhe geschaut hat, der hat auch die unterste Region des Himmels mit seines Leibes Augen geschaut.
26. Ihr werdet hier freilich fragen und sagen: „Wieso denn? Wie ist solches zu verstehen?“
27. Und Ich sage euch darauf: Wer solches versteht, dem wird auch das „Wieso“ gar bald einleuchtend werden. Es wird doch sicher diejenige Stelle der Erde dem Himmel am nächsten zu stehen kommen, wo die menschliche Habsucht und Eigenliebe keine Grenzsteine mehr setzt und verheerende Prozesse führt wegen Mein und Dein. Ihr dürft nur einen Versuch machen und zu eigen verlangen ein tausend Joch großes Eisfeld irgendeines Gletschers; ja ihr könnt euch sogar ohne irgendeine Anfrage auf irgendeinem Eisboden ansässig machen, und seid versichert, es wird euch solchen Grund niemand streitig machen, so wenig als ihr es einem anderen streitig machen möchtet, wenn es ihn gerade gelüsten sollte, sich ein Stück eines solchen stark abkühlenden Grundes zuzueignen.
28. Nun seht, aus dieser kurzen Darstellung werdet ihr nun das „Wieso“ auch leicht begreifen; denn wenn der Himmel auch gewisserart naturmäßig die Erde berührte, so wäre es wohl mit dem Leben wie mit dem Dasein des ganzen Planeten auf einmal zu Ende.
29. Kann aber der Himmel die Erde irgend berühren, wo sie so vielfach durch die schnöde Habsucht entheiligt ist? Aus diesem Grund sind solche Berührungspunkte nur da möglich, wo die Erde von aller Scheelsucht der Menschen ganz und gar frei ist.
30. Aus diesem Grund ist dann auch unser Großglockner vorzugsweise ein solcher Berührungspunkt. Und so auch irgendein Mensch auf dessen höchsten Zinnen etwas errichten möchte, wonach die Habsucht auch nur eines Menschen könnte lüstern werden, so wird da von den reinen Geistern auch sogleich gehörig gesorgt, dass ähnliche Errichtungen binnen kurzer Zeit wie aus dem Dasein verschwinden; und so wird ein solcher Platz durch seine eigene Reinheit und durch die Reinheit seiner Geister gereinigt.
31. Das wäre somit eine Art geistiger Eigenschaft, welche über die naturmäßigen Geister hinausragt und dann und wann noch naturmäßige Erscheinlichkeiten zulässt; und demnach bleibt uns nur noch eine Art übrig, die nur sehr wenigen Menschen dann und wann sichtbar wird. Diese Art werden wir das nächste Mal betrachten und mit ihr auch sogleich auf das Evangelische übergehen. Und so lassen wir es für diesmal wieder bei dem bewendet sein.
Am 19. Mai 1842
1. Was sonach die dritte Art der Geister anbelangt, so ist auch diese wieder in drei verschiedene Arten zu unterscheiden, und zwar in eine untere, in eine mittlere und in eine obere.
2. Zu der unteren Art gehören alle jene geistigen Wesen, welche das Innere der Berge bewohnen und überwachen daselbst die Metalle, die Wasserquellen, auch das Gestein und Erdreich in der Berge Innerem. Diese Art Geister ist somit auch an und für sich wieder dreifach unterschieden, und zwar in Feuergeister, Erdgeister und Wassergeister. Diese Geister sind weder böswillig noch auch guter Natur, sondern sie sind ein bares Mittelding zwischen Gut und Böse; daher sie auch zu eben diesem Zweck verwendet werden: Die Feuergeister zum Auskochen der Metalle, die Wassergeister, um die Feuergeister bei ihrer Arbeit [zu dämpfen], und die Erd- und Steingeister, um die Feuer- und Wassergeister in ihren Schranken zu halten.
3. Wer sich vom Dasein dieser Geister überzeugen will, der mache nur Bekanntschaft mit biederen und unbefangenen Bergleuten, und er wird unter hundert solchen Menschen sicher neunzig antreffen, welche in ihrem Leben wenigstens ein-, zwei- oder dreimal ein oder das andere von ihnen sogenannte Bergmännlein gesehen haben. Diese Art Geister kommen nur gar selten an die Oberfläche der Erde; denn ihre innere Geschäftswelt kommt ihnen viel herrlicher vor als die äußere gehaltlose, wie sie zu sagen pflegen. Nur müsst ihr euch nicht etwa denken, dass die Materie ihnen hinderlich sei bei ihrem Hin- und Herwandern; solches ist sie mitnichten. Denn wo immer sich ein solcher Geist hinbewegen will, so geht er durch Wasser, Feuer oder Stein noch um vieles ungehinderter als ihr durch die Luftregionen. Denn da ihr Materie erschaut, da erschaut der Geist nur die entsprechende [geistig-seelische] Substanz derselben. Diese allein ist für ihn etwas; die eigentliche grobe Materie aber ist für ihn ein bares Nichts und ist für ihn so gut wie gar nicht da.
4. Dass diese Geister nutzwirkend sind, könnt ihr aus dem Amt erkennen, das sie versehen; nur dürfen sie nicht durch einen Ungläubigen, auch nicht von Gläubigen gereizt werden durch mannigfache Lästerungen und Verunglimpfungen ihrer Wesenheit. Geschieht irgendwo solches, da sind sie auch gar bald bereit, sich an derlei Menschen bitter zu rächen.
5. Wehe hernach dem, der in ihre Hände gerät! Den Gläubigen züchtigen sie durch allerlei Mittel, die ihnen zu Gebote stehen, den Ungläubigen aber erfüllen sie nicht selten mit einer unausstehlichen Angst, oder sie machen ihm einen unerwarteten Schreck, oder sie werfen ihm irgendein leibliches unheilbares Übel an den Hals. Dagegen hat der gläubige sanftmütige Mensch nichts zu befürchten von ihnen – im Gegenteil: So sich jemand also gläubig und gutmütig verstiegen hatte in den unterirdischen Höhlen und Gängen der Berge, so zeigen sie ihm fast allzeit einen sicheren Ausweg. Dieses alles könnt ihr buchstäblich bei allen Bergleuten erfahren; und mögt ihr dieselben aus den verschiedensten Erdgegenden vernehmen, so werden ihre Aussagen ganz vollkommen übereinstimmen. Das ist demnach die erste Unterart der dritten Hauptart von Geistern.
6. Unter welchem Gesichtspunkt alle diese Geister in der eigentlichen Geisterwelt vorkommen, das wird erst in dem evangelischen Teil gezeigt werden; und so gehen wir nun zu der zweiten oder mittleren Art über.
7. Diese Art Geister ist zumeist auf der Oberfläche der Erde beschäftigt und es gibt derselben zahllos viele. Der eine Teil hat über alle Bäume, Gesträuche, Pflanzen, Gräser, Moose und Schwämme zu sorgen, um die in den Pflanzen selbst noch nicht frei gewordenen Geister bei ihrer Tätigkeit zu leiten, damit jede Pflanze, sei es nun ein Baum oder was immer, ihre ursprüngliche Form und Beschaffenheit erhält. Ein Teil dieser Geister aber hat die Tierwelt über sich und muss da dieselbe Obsorge tragen, welche der eine Teil dieser Geister bei der Pflanzenwelt zu tragen hat, nämlich dass jedes Tier seiner Form, seiner Beschaffenheit und Tätigkeit entspricht. Diese Art der Geister wird den Menschen nur gar selten sichtbar, denn diese Geister haben viel zu wenig Zeit, als dass sie darauf bedacht sein sollten, sich unnützermaßen sichtbar zu machen, denn die fortwährende Nutzwirkung und derentwegen ihr guter Wille hindern sie daran.
8. Dessen ungeachtet aber gibt es auf den Bergen doch noch so manche einfältig fromme Hirten, die auch solche Geister zu öfteren Malen gesehen haben; und werden euch so manches Histörchen erzählen können, wie solche Geister nicht selten über die Nacht eine magere Wiese grünen gemacht haben, und wie sie behütet haben seine Kühe und Schafe vor Unglück bei starken Gewittern, und ließen sie nicht auf solche Felsabhänge, allwo sie sich zerfallen [abstürzen] hätten können.
9. Wenn aber ein weniger Gläubiger solche Geister auch nicht zu Gesicht bekommt, so wird er aber doch nicht selten gar gewaltig angeregt von ihnen, besonders wenn er durch weite Gebirgswälder geht und namentlich durch sogenannte Urwälder, oder wenn er sich auf den freien Alpentriften befindet, wie auch, wenn er durch große Herden von Pferden, Kühen und Schafen zieht. Diese Anregung besteht in einem mehr oder weniger unheimlichen Gefühl, auf welches gewöhnlich ein kleines Frösteln erfolgt. So jemand solches erfahren hat, da kann er auch versichert sein, dass er unter solche Geister gekommen ist und dieselben sich ihm auf die besagte Art bemerkbar gemacht haben. Welchem Zustand diese Geister in der eigentlichen Geisterwelt entsprechen, solches wird ebenfalls erst im evangelischen Teil kundgetan werden. Und so hätten wir noch die dritte Art übrig.
10. Diese dritte Art kommt äußerst selten zur Erscheinung, sowohl durch die von ihnen verübte Wirkung, wie noch weniger an und für sich wesenhaft.
11. Was ist denn die Wirkung dieser Geister? Die Wirkung dieser Geister ist die Direktion der Luft und des Äthers – daher wurden sie auch von den Alten manchmal „Luftgeister“ genannt.
12. Wenn ihr den Zug der Winde beachtet und namentlich derjenigen Winde, die von Nordosten her kommen, und zwar gewöhnlich um die Mitternachtsstunde, wie auch manchmal abends ein oder zwei Stunden nach dem Untergang der Sonne, so dürftet ihr eine zweifache Bemerkung machen: Eine, die sich durch ein Erschauern kundgibt, und eine, welche einige Haustiere in Unruhe versetzt, und zwar namentlich vorzugsweise die Hunde, Hühner, Katzen, Schweine und Pferde. Wenn ihr solche Bemerkungen macht, da könnt ihr versichert sein: solche Erscheinungen rühren von diesen Luftgeistern her. Dies sind jedoch Geister untergeordneter Art, oder wie ihr zu sagen pflegt, es sind dienstbare Geister.
13. Wenn ihr aber eure Blicke höher erhebt und beschaut da die sonderbaren Formen der Wolken, da könnt ihr abermals versichert sein, dass solche Formen eine Wirkung obbesagter Geister sind. Die Wolke selbst besteht zwar nicht aus diesen Geistern; aber was ihre Form betrifft, so hängt es allzeit von den Luftgeistern ab, wie sie eine Luftschicht um die andere also drehen und wenden, dass dann die Wolkengeister – namentlich der unteren, argen Art – nur diejenige Form annehmen können, wie da die Wendung und Drehung der Luftschicht es ihnen zulässt. Dies geschieht darum, damit die Friedensgeister – denen ihre Formierung freisteht – aus eben den Formen die argen Geister erkennen, was diese alles im Schilde führen. Dann ist aber hier nur die Ursache der Wirkung zu ersehen; aber die wirkenden Geister durchaus nicht.
14. Eine noch höher stehende Art dieser Geister, welche schon im Äther sich befinden, ist erschaulich in der seltsamen Erscheinung der sogenannten Fata Morgana. Denn diese Erscheinung rührt daher: Wenn diese obersten Äthergeister die Luftoberfläche zur völligen Ruhe gebracht haben, so wird diese Oberfläche bild- oder formaufnahmefähig, und zwar auf dieselbe Weise wie ein ganz ruhiger Wasserspiegel oder ein Glasspiegel. Ist aber die Luftoberfläche von den beständigen Wogen und Wellen zerrissen gleich wie die Oberfläche eines Sees, Stromes und Meeres, wenn sie durch Winde oder Flutung in Unruhe gesetzt wird, so ist da natürlich an keine Abspiegelung zu denken.
15. Was die Fata Morgana an und für sich ist, habt ihr ohnedies schon in einer ziemlichen Abhandlung empfangen; hier aber handelt es sich nicht mehr darum, dass ihr das Empfangene noch einmal empfangen sollt, wohl aber, dass ihr dasselbe vom geistigen Grund aus versteht. Der geistige Grund ist aber bereits kundgetan; hier wäre nur die Frage, warum solches geschieht. Nun, das ist freilich wieder wohl etwas ganz anderes. Solches geschieht darum, damit es den sich im hohen Äther aufhaltenden Friedensgeistern desto leichter wird, das geheime Tun und Trachten der argen Geister entweder in den Klüften und Schluchten der Gebirge zu beobachten oder, wenn solche Geister sich schon in die Luft in Gestalt der bekannten Wolken erhoben haben, ihre heimlichen Gesinnungen mit großer Sicherheit auszuforschen.
16. Ihr müsst euch hier nicht etwa denken, als möchte da eine bewegte Luft als Materie ihnen hinderlich sein, dass sie darob mit ihren unendlich scharf, weit und tief sehenden Geisteraugen nicht erschauen könnten die Umtriebe der argen Geister; wohl aber müsst ihr euch also denken, dass diese beschriebene Ruhe der Luftoberfläche nur eine Folge ist der Aufmerksamkeit, welche die oberen Geister gegen die unteren bei solcher Gelegenheit zu haben pflegen.
17. Ihr werdet schon öfter gehört haben, dass manche Menschen ganze Heere in der Luft und in den Wolken streitend erschaut haben. Seht, solche Erscheinungen sind auch eine Art Fata Morgana, aber wohl der allerseltensten Art.
18. Sie geschehen auf folgende Weise: Wenn hoch im Äther ihr ganz selten weiße Lämmerwölkchen erblickt, unter diesen – freilich wohl in sehr weiter Entfernung – aber schon Gruppen der wohlbekannten schwarzen und dunklen Wolken, so erscheint das Bild der schwarzen Wolken dunkel abgedrückt auf den Lämmerwölkchen; das ist der Anfang dieser Erscheinung. Wenn dieses einige Minuten lang währt, so kann ein aufmerksamer Beobachter auf diesem dunklen Abbild eine Menge wohlgeformter Wesen erblicken, entweder in Gestalt mannigfacher wilder Tiere oder auch in der Gestalt von allerlei zum Kampf gerüsteten und sich zum Kampf übenden Kriegern.
19. Hier werdet ihr fragen: „Woher bilden sich denn diese Formen ab auf der ruhigen Luftfläche?“
20. Seht, solches geschieht auf folgende Art: Wenn die Geister der unteren Wolken solche Ruhe über sich gewahren und darob auch keine Störung erleiden, so bilden sie sich aus der Substanz der Wolken, welche der naturmäßig-geistige Teil ist, förmliche Leiber in der Meinung, dadurch kräftiger und widerstandsvoller zu werden, verbergen sich aber dennoch vor den Augen der Menschen, damit diese ja nicht etwa bei ihrem Anblick zu Meinem Namen die Zuflucht nehmen möchten. Aus dem Grund treiben sie solches Spiel auch nur auf der Oberfläche der Wolke und lassen den der Erde zugekehrten Teil der Wolke auch Wolke sein.
21. Seht, wenn demnach über ihnen eine solche Ruhe der Oberfläche eingetreten ist, so wird auf derselben solches wesenhafte Treiben der argen Geister bildlich gesehen, weil diese Geister wirklich aus der Wolke und aus der sie umgebenden Luft sich eine Art Leib gebildet haben. Aber es nützt ihnen solche Handlungsweise gar nichts; denn je mehr sie sich also zu verwahren und zu festen suchen, desto tiefer werden sie von den oberen Friedensgeistern durchschaut und nach kurzem Zeitverlauf auch desto tüchtiger ergriffen und zur Erde herabgeworfen. (Zu dieser Art Geistererscheinungen gehört auch diejenige, welche Mein Schreiber am vergangenen Montag vormittags gesehen hat.)
22. Seht, das ist sonach die dritte Art der Geister, die namentlich und vorzugsweise mit den anderen höheren Friedensgeistern sich bei ruhigen Gelegenheiten in der Gegend hoher Gletscher aufhalten und – wenn es notwendig ist – sich in Gedankenschnelle über alle Gegenden der Erde ausbreiten können; nur müsst ihr unter der dritten Art dieser Geister nicht etwa die Bildformen der unteren Wolkengeister noch die Friedensgeister selbst verstehen, sondern allein die dem sterblichen Auge beinahe niemals zur Erscheinung kommenden Äthergeister, von welchen nämlich diese Ruhe der Luftoberfläche bewirkt wird.
23. Was auch diese Geister in der eigentlichen Geisterwelt für einen Standpunkt ausfüllen, wird in dem nächstfolgenden evangelischen Teil, wie von allen anderen, kundgetan werden. Es gibt freilich wohl noch höhere Geister, welche in den Welträumen die Welten und Sonnen lenken und sichern, und endlich noch höhere Geister, welche dem Menschen beigegeben sind; allein für diese ist wieder ein anderer, größerer Platz, und sie haben daher mit den Wesen der Erdordnung unmittelbar nichts zu tun. Daher können sie hier auch nicht füglichermaßen aufgeführt und weiter enthüllt werden.
24. Und somit wären wir auch mit dem geistigen Teil unseres Großglockners wie auch aller anderen Gletscher und Berge zu Ende und werden uns für ein nächstes Mal sogleich zum evangelischen Teil hinwenden. Und somit lassen wir es für heute wieder gut sein.
Am 20. Mai 1842
1. Um das, was den evangelischen Teil betrifft, so recht ins Auge zu fassen, wird es notwendig sein, euch zunächst mit der Form solcher Berge ein wenig vertraut zu machen.
2. Zu diesem Zweck ist es wohl gut und nützlich, entweder selbst, soviel es tunlich ist, solche Berge zu besteigen, oder wenigstens gelungene Abzeichnungen derselben mit aufmerksamen Augen zu betrachten; denn durch ihre verschiedenen Höhen, durch ihre Abstufungen, durch die Gräben und Täler, wenn alles dieses mit Aufmerksamkeit betrachtet wird, wird das Gemüt geweckt, und der Geist sucht da beim Anblick solcher Berge selbst seine Augen zu öffnen und darüber zu denken, ob und wie da Wege aufwärts möglich sein dürften.
3. Dass solches seine Richtigkeit hat, bezeugt der Drang bei Besteigung eines Berges, so bald als nur immer möglich die höchste Spitze zu erreichen, und auch der Drang und die tüchtige Begierde, wenn einem solch hohe Berge zu Gesicht kommen, alsbald ihre höchsten Gipfel zu ersteigen.
4. Fragt euch selbst, worin solcher Grund liegen kann? Meint ihr, er liege etwa in der Ausbeutung irgendeiner oder mehrerer Fernsichten? Oder liegt er etwa in dem Begehren nach dem Genuss der reinsten Luft? Wer solches behauptet, der ist mehr denn über die Hälfte irrig daran; denn was die Fernsicht betrifft, so ist diese wohl für das Auge des Fleisches lohnend, aber um solche zu genießen, bedarf es ja eben nicht der höchsten Gebirgsspitzen, sondern oft nur wenig bedeutender Anhöhen, von welchen eine nicht selten bedeutend üppigere Aussicht zu gewinnen ist als von so manchen höchsten Gebirgsspitzen, welche doch gewöhnlich wieder von anderen hohen Bergen umlagert sind, da man denn oft nichts anderes als einige ebenfalls [weitere] Gebirgsspitzen im Umkreis erblickt und in keine Ebenen, Täler, Flüsse und Seen seine Blicke senden kann.
5. Was aber die reine Luft betrifft, so braucht jemand nur auf einen Hügel zu steigen, der höchstens zwei oder dreihundert Klafter hoch sein darf, so kann er daselbst auch schon eine sehr reine Luft genießen.
6. Wenn sonach jemand diese zwei Punkte recht tüchtig beachtet, so wird er gar leicht gewahren, dass sie nicht ausschließend der Grund sein können, darum so viele Menschen von den hohen Gebirgsspitzen also angezogen werden, dass diese nicht selten ihr Leben wagen, um mit der größten Anstrengung die höchste Spitze zu erklimmen.
7. Wenn denn solches unleugbar ist, nachdem es doch die tägliche Erfahrung lehrt, dass fast jeder Mensch, so er nur irgendeinen hohen Berg ansieht, er auch schon in sich den Wunsch verspürt, so es nur möglich wäre, sich sogleich auf diesen oder jenen hohen Bergesscheitel zu versetzen – selbst dann noch, wenn er den Berg tagtäglich sieht und er auch schon zu öfteren Malen auf demselben war –, so muss ja doch noch ein anderer Grund vorhanden sein, der ihn hinaufzieht.
8. Dieser Grund ist der schon besagte und besteht sonach in dem Wachwerden des Geistes bei solchen Gelegenheiten; denn wie euer Sprichwort sagt, dass sich Gleiches und Gleiches gern zusammengesellt, solches ist auch hier buchstäblich der Fall.
9. „Wie so?“, werdet ihr fragen. Nun, so hört!
10. Der Geist zieht den Geist an wie die Materie die Materie und das Fleisch wieder das Fleisch. So da in einem Menschen beschlossen wird, dass er auf irgendeinen hohen Berg seine Füße setzen will, so geht aus dieser Vornahme ein Willensrapport hinauf in die hohen Geistersphären. Durch diesen Rapport werden die Geister sobald inne, was da ein Mensch tun will.
11. Will er sich nun ihren Sphären wirklich nahen, so wird von den Geistern sobald ein Rückrapport erstattet. Dieser Rückrapport ist für den Geist, der noch im Leib schläft, fast dasselbe, was ihr in leiblicher Hinsicht eine magnetische Affektion nennt, oder was im weiteren Sinne das Magnetisieren selbst ist, durch welche Handlungsweise einem schwachen Organismus durch einen starken, lebensvollen eine Zeit lang eine neue Lebenskraft mitgeteilt wird; kurz und gut, auch der Geist, der da noch schwach ist und schläft im Menschen, wird von höheren Geistern also magnetisch geweckt – freilich nicht für bleibend, sondern auf eine kürzere oder längere Zeit nur.
12. Wenn auf diese Weise der Geist erweckt ist, so möchte er auch eiligst sich schon dort befinden, von wannen her er gezogen wird, d. h. er möchte sich schon sogleich unter seinesgleichen befinden; daher treibt er denn auch alsbald durch die Seele den Leib mächtig an und zieht und schleppt ihn hinauf zu den schwindelnden Höhen.
13. Wenn hernach ein solcher Mensch solche Höhen wirklich erstiegen hat, so freut sich der Geist, dass er sich befindet in seiner wahren Gesellschaft. Allein, da aber die freien Geister wohl die reinste Einsicht haben, dass für solch einen unzeitigen Geist hier noch keines Bleibens ist, da stellen sie sich sobald wieder außer Rapport mit ihm; sodann sinkt der Geist wieder in seinen Schlaf zurück, dem Leibmenschen wird’s dann unbehaglich auf solchen Höhen, dass er sich darum bald wieder sehnsüchtig hinabbegibt in die Täler, in denen ihm entsprechende Wohnungen sich befinden.
14. Seht, das ist der eigentliche Grund, warum der Mensch, wenn er übrigens nicht gar zu naturmäßig weltlich gesinnt ist, also angezogen wird von den Bergen und ihren höchsten Gipfeln.
15. Bei ganz naturmäßigen Menschen ist solches wohl freilich nicht der Fall, denn entweder haben diese gar keinen Sinn dafür – welches so viel besagt, als ihr Geist ist dergestalt schwach und krank, dass er keiner anderweitigen geistigen Affektion mehr fähig ist – oder wenn schon solche naturmäßigen Menschen irgend hohe Berge besteigen, so werden sie dazu nur von den argen Geistern angetrieben, entweder aus Gewinnsucht oder aus purer Prahlerei, um dann sagen zu können: „Ich war auf dieser und jener noch von keines Menschen Fuß bestiegenen Spitze eines Berges der Erste!“, – der gewisserart mit seinem sehr unheiligen Fuß die heilige Spitze des Berges entweiht hat.
16. Solche Gebirgsbesteiger werden dann auch fast allzeit für ihre ruhmverdienstliche Handlung von den Friedensgeistern gar übel bedient. Entweder lassen sie einen solchen Rühmler eine Höhe erklettern; wenn er aber dann oben ist, so wird er sobald von einem übermäßigen Kopfschwindel und darauf folgender großer Todesangst heimgesucht und muss oft stundenlang zappeln, bis sich irgend ein Geist seiner erbarmt – so er genug gebetet hat – und ihn dann hinabklettern lässt einen höchst beschwerlichen und mit augenscheinlicher Todesgefahr verbundenen Weg. Oder die Geister lassen ihn auf eine leichter zu ersteigende Höhe kommen; wenn er aber sich schon siegreich oben befindet, so beschicken sie ihm oft augenblicklich ein grässliches Ungewitter über den Hals, durch welches er für seine rühmliche Bemühung so tüchtig ausgezahlt wird, dass er bei sich selbst einen festen Eid ablegt und sagt: „Wenn ich nur dieses Mal mit dem Leben davonkomme, wahrlich, es soll mich hinfort keine Gebirgshöhe mehr anlocken, und wäre sie nur einige Klafter hoch, sie wieder zu besteigen!“
17. Wer aber da möchte eine solche Gebirgsspitze frevelnd oder zufolge einer habsüchtigen Wette erklimmen, der kann aber auch schon sogleich früher [zuvor] in der Ebene seine letzte Willensanordnung hinterlassen; denn ein solcher Gebirgsbesteiger wird wohl nimmerdar seine Füße mehr in der Ebene gebrauchen, – aus welchem Grund auch nicht selten ähnliche Gebirgsbesteiger verunglücken und sich entweder sogleich zerfallen, oder sie werden auf irgendeine Höhe geführt, auf welcher sie dann auch gewöhnlich für alle ewigen Zeiten verbleiben, d. h. dem Leibe nach.
18. Ja, die Geister haben da allerlei Mittel, um die Frevler auf das Empfindlichste zu strafen.
19. Aber nicht also ergeht es demjenigen, der da aus höherem Antrieb die Höhen der Berge besteigt.
20. Ein solcher Mensch wird nicht nur auf keine Gefahren stoßen, sondern er wird allzeit gewaltig gesegnet und gestärkt wieder zurückkehren, so zwar, dass bei manchen solchen Gebirgsbesteigern und großen inneren Freunden derselben ihr Geist für bleibend geweckt worden ist und sie dadurch zu Sehern und Propheten wurden.
21. Aus diesem Grund habe Ich auch euch noch allzeit geraten, gern auf die Berge zu gehen, weil denn doch bei jeder, wenn auch nur momentanen Geisteserweckung dem Geist eine Stärkung zurückverbleibt also, wie einem schwachen Menschen die naturmäßige Lebenskraft nach jedem einzelnen sogenannten Magnetisieren erhöht wird und, wenn er oft genug magnetisiert worden ist, er endlich mit schwacher Beihilfe anderer Mittel zur vollen Gesundheit und Lebenstätigkeit wieder gelangt.
22. Wenn demnach der Mensch redlichen Sinnes ebenfalls sich öfter von den hohen Geistern also geistig magnetisieren lässt und gebraucht dazu das leichte Arzneimittel der Liebe, so wird er auch um desto eher zum Ziel gelangen, welches da heißt: die Wiedergeburt des Geistes. Daher geht gern auf Berge von bedeutendem Höhenmaße, und seid liebtätig, so wird eure noch schwache Liebe zu Mir sicher um desto eher ganz lebendig werden. Neben diesem großen, ja größten Vorteil gibt es aber noch viele andere, wovon wir die wichtigsten ein nächstes Mal näher betrachten wollen. Und so lassen wir es heute wieder bei dem bewendet sein.
Am 21. Mai 1842
1. Was demnach noch die anderen Vorteile betrifft, so bestehen diese darin, dass ein jeder Berg an und für sich, in Verbindung mit anderen, und besonders aber ein Gletscher, wie unser Großglockner da einer ist, einen beständigen Liebeprediger und Weisheitspropheten abgibt.
2. Ihr werdet hier fragen und sagen: „Das mag wohl sein; wie aber kann man einen Berg Liebe und Weisheit predigen hören?“
3. Das ist eine ganz andere und auch eine ganz eigentümlich sonderbare Frage; und Ich sage euch darauf: Es gibt auf der Welt nichts Leichteres, als diese zweifache Stimme der Berge zu vernehmen. Wie aber jedoch solche zu vernehmen ist, dieses Geheimnis sollen hier mehrere Beispiele aufdecken.
4. Es sollen irgend zwei Menschen sein, die sich stets verächtlich begegnen. Es nützt da weder Rat noch Tat; sie werden in der Tiefe stets das bleiben, was sie sind. Nehmt aber diese zwei Menschen und führt sie auf einen hohen Berg, und ihr werdet euch sobald überzeugen, was dieser große Liebe- und Weisheitsprediger vermag; denn ihr dürft versichert sein, ein halber Tag wird diese zwei feindlichen Menschen gar bald zu den intimsten Freunden machen.
5. Hier werdet ihr fragen: „Warum denn? Wie ist solches möglich?“
6. Auf diese Frage gibt der Berg schon für sich die Antwort: Nachdem er eine Unterlage ist, oder gewisserart der Sitz der Friedensgeister, welche sich sobald ins wohltätige Mittel legen, wo irgendeine Uneinigkeit vorwaltet. Sie bearbeiten da im Augenblick, als der Mensch nur den ersten Fuß auf den Berg setzt, schon die Gemüter durch eine stets zunehmende Spannung nach oben und erregen dadurch das Gefühl der Liebe immer mächtiger und mächtiger; und wenn dann solche Menschen erst vollends die Höhe erreicht haben, so ist das freundschaftliche Gefühl bei jedem schon so weit ausgedehnt und verstärkt worden, dass solche Menschen oft, wenn sie es auch wollten, dennoch nicht können, sich länger gegenseitig unfreundlich zu begegnen.
7. Sind die Gemüter härter, so lassen dann solche Geister auf einem hohen Berg über zwei solche gegenseitigen Feinde ein tüchtiges Ungemach kommen, dass darob beide in augenscheinliche Lebensgefahr geraten. Dieses ist dann ein Universalmittel, welches lange Feindschaften gar leicht mit einem Schlag in die intimste Freundschaft verwandelt.
8. Dass solches unfehlbar richtig ist, soll euch ein anderes Beispiel vollgültig zeigen.
9. Dass zum Beispiel bei großen Elementarrevolutionen – als da sind große, verheerende Ungewitter, große Überschwemmungen und noch andere derlei Erscheinungen – selbst die reißendsten Tiere, als Tiger, Löwen, Hyänen, Bären, Schlangen, so sanft und vertraulich werden, dass sich dieselben zu den Menschen und andern zahmen Tieren gleich den Tauben unschädlich und überaus sanftmütig gesellen, könnt ihr aus den verschiedensten Erfahrungen, welche zu allen Zeiten gemacht worden sind, zuversichtlich entnehmen.
10. Ich mache euch nur auf einen solchen ähnlichen Fall aufmerksam, und zwar auf denjenigen, welchen ihr bei der Überschwemmung der euch bekannten Stadt Lyon in Frankreich sicher werdet gelesen haben.
11. Wenn demnach solche Lebensgefahren sogar solche reißenden Tiere freundlich stimmen, so werden sie solches wohl auch unter Menschen zuwege bringen, und besonders sicher auf den Gebirgshöhen, wo die Gemüter von Friedensgeistern im Geheimen tätigst bearbeitet werden.
12. Entnehmet aus diesem Beispiel, wie die Berge reden; zum fleischlichen Ohr reden sie freilich nicht, aber desto vernehmlicher zum Ohr des Geistes.
13. Wie reden aber die Berge noch weiter, und was reden sie?
14. Seht, es lebt oft hie und da in der Tiefe ein eingeschrumpftes Gemüt, das weiter keinen Sinn hat, als nur zu stopfen seinen Magen mit allerlei Speise und Trank und sich darauf irgendwo auf ein weiches Lager niederzulegen und in seiner behaglichen Dummheit den Fraß auszuschlafen.
15. Solche Menschen kennen von Meiner Macht, Kraft und Gewalt oft kaum mehr als die Kinder im Mutterleib, und es gereicht ihnen schon zum großen Ruhm, wenn sie es nur so weit gebracht haben, dass sie schlechtweg Meinen Namen auszusprechen imstande sind.
16. Wenn solche Menschen dann einmal von irgendeinem wohltätigen Freund auf einen bedeutenden Berg mitgezogen werden, so ist das auch der erste Augenblick ihres ganzen Lebens, in welchem sie erwachen, und sich da umsehen und umschauen [und gewahren], dass Gott, den sie sonst nur so schläfrig ausgesprochen haben, ein bisschen größer und mächtiger sein muss, als Er von ihnen bis auf diesen Augenblick gedacht wurde.
17. Dass dieses ebenfalls wieder seine Richtigkeit hat, beurkundet ja das auf das Klarste, dass fürs Erste Gebirgsfreunde gewöhnlich sehr sanfte Menschen sind; jene aber, welche früher höchst träge und einsilbig waren, werden hernach gesprächig und wissen eine Menge zu erzählen, was alles ihnen bei der Besteigung eines solchen Berges vorgekommen ist.
18. Seht, wie allhier die Berge wieder reden, und sie sind somit die besten Sprachmeister und Zungenlöser für solche Menschen sogar, denen es nicht selten zur Last war, ihren eigenen Namen auszusprechen. Der Grund liegt auch hier in der Erweckung des Geistes, durch welche denn auch die Seele und der Leib belebter und tätiger werden.
19. Wie reden denn die Berge noch?
20. Es gehen zum Beispiel einige wissbegierige Menschen auf die Höhen so mancher Berge, finden da nicht selten sogenannte Naturseltenheiten: Muscheln, die da oft in einem oder dem anderen Felsen stecken, oder sie finden eine andere, diesem oder dem anderen Berg durchaus nicht eigentümliche Steingattung, oder sie finden verschiedene seltene Pflanzen und dergleichen noch eine Menge. Bei solchen Auffindungen sagen ihnen dann die Berge: „Seht, da, wo ihr die Muschel gefunden habt, ist einst sicher Wasser gestanden; wo ihr die versteinerten Knochen gefunden habt, waren dereinst üppige Fluren und dichte Wälder, auf und in denen die großen Tiere, von denen die riesigen Knochen zeugen, hinreichendes Futter fanden. Da, wo ihr fremdartige Steine findet, sind irgend große Elementarrevolutionen vor sich gegangen, durch welche diese fremden Körper daher geschleudert worden sind. Allda ihr aber besonders schöne, wohlduftende und eigentümliche Pflanzen findet, mögt ihr euch daran erinnern, dass fürs Erste diese Pflanzen noch fortlebende Überreste einer vorzeitlichen Vegetation sind und daher auch kräftiger sind und wohlduftender denn diejenigen, die da, gewaltig schon degeneriert, einförmig die Ebenen und Täler zieren.“
21. Seht, also reden die Berge wieder und enthüllen oder eröffnen vor den Augen dieser Wissbegierigen das große Geschichtsbuch der Vorzeit und sagen ihnen, wie es ungefähr einst mag ausgesehen haben. Hier sind somit die Berge die besten und zuverlässigsten Lehrer großer Welt- und Naturbegebenheiten und zeigen ihnen im Geheimen, wie unergründlich Meine Wege und wie unerforschlich Meine Ratschlüsse sind.
22. Dadurch werden solche oft bei sich etwas aufgeblasenen Gelehrten sehr bedeutend gedemütigt, und welche Predigt ist wohl besser als diejenige, welche die Demut predigt!
23. Was und wie predigen die Berge noch?
24. Seht, so jemand ihre kahlen Scheitel erstiegen hat, dem werden die höchst eigentümlichen Formationen dieser Berge die Frage entlocken: „Seid ihr Berge schon vom Uranfang also dagestanden oder seid ihr erst nachträglich gebildet worden, und wie seid ihr zu dieser gegenwärtigen Form gekommen?“
25. Und der also fragende Mensch wird durch die vielen losgerissenen Steine sogleich eine Antwort bekommen, welche also lauten wird: „Wir sind seit unserer Entstehung schon gar gewaltig verändert worden; denn mehr als die Hälfte unserer vormaligen Höhe ruht lange schon, die Tiefen der Täler und Gräben ausfüllend, tief unter unserem gegenwärtigen Fuß begraben, und so du uns sehen könntest im Verlauf von einigen hundert Jahren nur, so würdest du uns sicher nicht mehr erkennen.
26. So du aber siehst die verschiedenen Steigungen unseres Gesteins und findest zwischen den Blättern dieses unseres Gesteins nicht selten noch wohl erkennbare Abdrücke von Pflanzen und Tieren, welche gewöhnlich nur die tiefen Gegenden der Erde bewohnen und in denselben fortkommen, so kannst du ja mit Sicherheit daraus schließen, dass wir dereinst selbst ebenes Land gebildet haben und erst nach dem höchst weisen Ratschluss des Schöpfers über das flache Land stückweise erhoben worden sind.
27. So du aber nun Gräben, Schluchten, Klüfte, Riffe und Risse beschaust, so kannst du daraus ja mit großer Leichtigkeit ersehen, wie da einst Fluten und große Elementarstürme ihre Riesenkräfte an unserer harten Stirn versucht und geübt haben.“
28. Seht, also reden wieder die Berge und erteilen den Menschen den vollgültigsten Aufschluss über die Art ihrer Entstehung, ihrer Gestaltung, und warum sie jetzt also aussehen.
29. Wie und was reden denn die Berge noch?
30. Seht, wenn da ein oder der andere gewecktere Mensch auf ihre Höhen seine Füße setzt und findet da nichts als kahles Gestein, Schnee und Eisfelder mitunter, so sagen die Berge zu ihm:
31. „Siehe, du stolzer, ruhmsüchtiger Mensch, der du nur immer trachtest, dich stolz zu erheben, um zu herrschen über deine Brüder, wie mager die Früchte der Höhe aussehen! Also, wie du uns hier kahl, kalt, gefühl- und leblos findest, geradeso bist auch du in deinem Herrscherwahn!
32. Unser kaltes Gestein und unser Schnee und Eis wirken zwar segnend für die Täler, da wir in steter Verbindung mit unserer umfangreichen Niederung stehen und diese bei Weitem größer ist denn wir selbst in unseren Höhen; was würde aber mit uns geschehen, so wir täten wie du und zögen alle unsere Niederungen herauf auf unsere Häupter? Würden wir da nicht zu einem mächtigen, erderschütternden Fall kommen?
33. Daher lerne du – ein wahrer Mensch zu sein – von uns: Sei kahl und kalt und unfruchtbar in deinem Verstand, und lass denselben stets sich erniedrigen, also wie wir uns stets erniedern, so wird deine Liebe dafür wachsen und dein Leben zunehmen daselbst, wozu du gleich uns von dem Schöpfer berufen bist, also vollends lebendig zu werden und zu sein. Lasse daher auch du deinen vermeintlich weitum sehenden Verstand durch deine Demut umwölkt und umnebelt sein, damit er da werde zur tropfbaren, segensreichen Flüssigkeit, welche gleich unseren Bächlein hinabfließt in die Tiefe deiner Liebe, um dieselbe segnend zu beleben, also wie unsere Bächlein beleben unsere Niederungen und nähren alle ihre Frucht.“
34. Seht, auch so reden die Berge.
35. Wie und was reden aber die Berge noch?
36. Seht, es besteigt wieder ein anderer Mensch ihre Höhen.
37. Dieser Mensch ist ein reicher Spekulant, dem nichts so sehr am Herzen liegt, als Gold und Silber. Was sagen denn zu diesem Menschen die Berge, so er sich allenfalls doch einmal so viel Zeit nahm, ihnen einen Besuch abzustatten?
38. Oh, diesem Menschen geben sie eine gar vortreffliche Lehre und sagen ihm: „Du törichter Mensch, wie weit und wie tief bist du gefallen? Siehe, das du also liebst, ist nichts als unser Unrat! Was würde aber dein Bruder zu dir sagen, so du von ihm nichts anderes lieben möchtest als nur seinen Unrat und stinkenden Kot?
39. Möchte er nicht zu dir sagen: ‚Lieber Bruder, in welch großen Wahnsinn bist du geraten, dass dir von deinem Bruder nichts so sehr heilig ist und wohlgefällig, denn nur sein Unrat?‘
40. Siehe alsonach, du törichter Mensch: Was dir dein Bruder sagt, das sagen wir dir mit noch bei Weitem größerem Recht! Denn siehe, wie viele herrliche Pflanzen wachsen auf unseren Höhen und Triften und nähren die nützlichsten Tiere des Landmannes! Wie viele tausend und tausende der schönsten Bäume wachsen auf uns und geben dir Holz in großer Menge, damit du dasselbe gebrauchen kannst zu zahllosen nützlichen Dingen! Zähle einmal die kristallreinen Quellen, welche wir auf vielen tausend Punkten ausliefern und segnen damit die Ebenen und Täler! Wie oft siehst du unsere Scheitel in Wolken eingehüllt und schauerliche Stürme um unsere Stirnen toben – siehe, solches nehmen wir auf uns, damit die von uns gesegneten Täler und Ebenen vor großen Verheerungen verschont bleiben. Jahraus und jahrein siehst du unsere Scheitel unter ewigem Schnee und Eis begraben; siehe, dadurch ziehen wir so vielfachen Frost an uns, damit die Täler und Ebenen sich der lebendigen Wärme erfreuen können.
41. Sage uns nun, du törichter Mensch, was Übles haben wir dir denn getan, dass du alle diese Wohltaten von uns verkennst, dich dafür in unsere Eingeweide, gleich einem Spulwurm der Tiere, verkriechst und nachjagst dem, das für dich keinen Segen in sich birgt, uns aber dabei unbeachtet lässt, die wir dich doch nach der Anordnung deines und unseres allmächtigen Vaters und Schöpfers stets so reichlich mit lebendigem Segen versehen?
42. Daher lasse ab von deiner Torheit und wühle in der Zukunft statt in unseren Eingeweiden lieber auf unseren Triften und Höhen herum, und sei versichert: eine Pflanze, ein Tropfen aus einer unserer Quellen und ein Blick von unseren Höhen, gesendet hin in den fernen Wirkungskreis deines allmächtigen Vaters und unseres Schöpfers, werden dir einen unaussprechlich größeren Nutzen bringen, als so du alle unsere Eingeweide ausgeräumt hättest.“
43. Seht, dieser guten Predigt zufolge ist es auch schon zu öfteren Malen geschehen, dass aus sehr habsüchtigen Menschen, wenn sie nur einige Male den Bergen einen Besuch abgestattet haben, sogleich ganz freigebige und gastfreundliche Menschen geworden sind.
44. Solches also predigen und lehren wieder die Berge. Was sie aber noch alles lehren und predigen, das wollen wir in der Fortsetzung vernehmen; und somit lassen wir es für heute wieder gut sein.
Am 25. Mai 1842
1. Was lehren und predigen die Berge noch?
2. Was die Berge noch lehren und predigen, davon kann sich ein jeder unbefangen denkende Gebirgsbesteiger auf den ersten Blick überzeugen und in seinem Gefühl recht klar und deutlich die Worte vernehmen, welche also lauten dürften:
3. „Siehe uns an, du staubbelasteter Erdenpilger, wie frei und unabhängig wir von unseren hohen Scheiteln in die weite Ferne der Schöpfungen Gottes dahinblicken! Eine freie Luft weht um unsere Stirnen und der Sonnen Strahl bricht sich sanft über unsere hohen Rücken! Kein Grenzstein sagt hier dem Wanderer: ‚Bis hierher und nicht weiter!‘, sondern wo er immerhin seinen Fuß hinsetzt, betritt er seinen eigenen Boden. Denn von dem Boden, auf welchem er geboren ward, muss gesteuert [Steuern bezahlt] werden; wir aber sind ohne Grenzsteine und für unsere Scheitel wird keine Steuer entrichtet. Daher bist du, Wanderer, auf unseren Höhen vollkommen zu Hause!“
4. Dass diese Worte vollkommen richtig sind, davon kann sich ein jeder leicht überzeugen, wenn er je solche hohen Triften der Gebirge betritt. Wie da seine Augen einen weitgedehnten Sehkreis bekommen, also bekommt auch sein Gemüt einen weitgedehnten Gefühlskreis, und dadurch werden seine Gedanken mit dem Gefühl vereinigt. Und er, der vielleicht noch nie im Herzen gedacht hat, empfindet nun zum ersten Mal, wie lieblich, süß und frei die Gedanken des Herzens schmecken und um wie vieles weiter sie sich über den Horizont des gewöhnlichen Verstandes erstrecken.
5. Wenn solches nun der Fall ist, wird es da nicht behaglicher in dem armseligen Kopf, wo auch um dessen Stirn freiere Lüfte aus dem hohen Reich der Geister wehen? Und wird es nicht einheimischer und traulicher sein, sich allda zu befinden, wo die Strahlen des sonst so hitzigen Verstandes sanft gebrochen werden und sich nach solcher Brechung hinabsenken gar lieblich in das frei gewordene Herz?
6. Wo ist auf diesen Höhen ein Zollverein der Gedanken anzutreffen und wo eine Taxierkammer dessen, was da ist ein freies Eigentum des unsterblichen Geistes? Wo ist da ein Grenzstein anzutreffen, über welchen die fühlende Seele nicht treten soll?
7. Ja, hier lernt der unbefangene Wanderer – wenn er nicht mit verstopften Ohren und verbundenen Augen solche Höhen betritt –, was das heißt: Frei sein in der Höhe seiner Gedanken und in der Tiefe seines Gefühls, und wie selig es ist, wenn zwei sich unbefangen die Hände reichen können, und wie selig da der Gedanke an Gott, wo Ihn der Wanderer aus der Tiefe seines Herzens frei bekennen kann, und kann Ihn lieben und anbeten in dem freien, großen Tempel der Unendlichkeit!
8. Sagt Mir, welcher nur einigermaßen innerlich geweckte Mensch wird nicht von diesem heiligen Gefühl beseelt sein, so er sich an einem heiteren Morgen befinden möchte auf einer solchen geheiligten Höhe?
9. Der Mensch zwar kann auch in der Tiefe Heiliges und Großes denken; aber es geht ihm dabei, als wenn er mit ziemlich hungrigem Magen in einem Buch die Beschreibung einer guten Mahlzeit liest, bei welcher Gelegenheit ihm noch die wirkliche Mahlzeit ums Hundertfache lieber wäre denn hundert noch vortrefflichere Mahlzeitbeschreibungen, von denen er aber dessen ungeachtet dennoch nichts herabbeißen kann.
10. Also ist auch auf solchen Höhen ein inneres Gefühl und die innere Wahrnehmung gerade um so viel kräftiger und mächtiger gegen das, was er in seiner Kammer empfindet, als da kräftiger und mächtiger ist eine wirkliche Mahlzeit vor einer beschriebenen. Oder welcher Mensch hat da ein lebendigeres Gefühl – einer, der seine lebendige zukünftige Braut am Arm führt, oder derjenige, der sich mit den allerschönsten Farben dieselbe kunstgerecht entweder gemalt oder beschrieben hat? Sicher wird ein jeder die lebendige greifen und wird dem andern sein Gemälde und seine Beschreibung unangetastet lassen.
11. Also ist es auch hier der Fall. Auf solchen Höhen findet der Wanderer gastfreundlichst dasjenige, was ihm in der Tiefe alle Mühe und Anstrengung nicht zu geben vermag. Daher ist es wohl gar gut und nützlich in jeder Hinsicht, sich zu öfteren Malen die Mühe nicht gereuen zu lassen, eine oder die andere Gebirgshöhe zu besteigen. Denn der Gewinn ist ja ein doppelter und reichlicher: Denn fürs Erste werden dadurch alle naturmäßigen Lebensgeister gestärkt; jedoch ist dieser Gewinn der geringere, obschon eine Gebirgsbesteigung besser ist denn zehn Apotheken und ebenso viel der renommiertesten Ärzte. Bei Weitem größer aber ist der Nutzen für den Geist, weil er da eine gar große Stärkung von seiner ursprünglichen Heimat aus bekommt.
12. Wer von euch, so er Gebirge bestiegen hat, wird sich dessen nicht erinnern, dass ihm zwischen den hohen Alpen traulicher und heimlicher [heimatlicher] zu Gemüte war, als wenn er sich in einer noch so volkreichen Stadt befinden möchte?
13. Woher rührt denn solches Gefühl?
14. Frage nur die Berge und sie werden es dir sobald durch eben dieses Gefühl sagen: „Siehe, was dein inneres Gefühl dir – freilich wohl noch etwas dunkel ahnend – sagt, ist volle Wahrheit; denn hier bist du wahrhaft zu Hause, und zwar im Kreis deiner vielen Voreltern, welche in entsprechender Weise sich lange schon hier überselig befinden!“
15. Seht, solches alles lehren auch die Berge! Was lehren und predigen sie aber noch? Hört sie nur ferner an; sie wissen noch allerlei zu erzählen.
16. Um euch solches, was da noch kommt, ein wenig näher vor die Augen zu stellen, so will Ich euch auch eben aus einer solchen Gebirgsbegebenheit ein kurzes Histörchen zum Besten geben.
17. Es war einmal ein frommer Mann; er war an Jahren schon sehr vorgerückt. Dieser Mann hatte gar viele Prüfungen zu bestehen, und unter diesen Prüfungen war auch diese eine der stärksten, dass er bis auf seine jüngste nun zwanzig Jahre alte Tochter alle seine Kinder samt seinem ihm überteuren Weib verlor.
18. Also stand er nun allein mit dieser seiner Tochter da, bewohnend ein Häuschen am Fuß einer bedeutend hohen Alpe, dabei eben so viele Grundstücke sich befanden, dass sie ihn und sein Töchterchen nebst einer bejahrten Magd und einem alten Knecht kümmerlich nährten.
19. Dieser Mann betete oft und viel zu Mir in Gesellschaft seines Töchterchens und weinte dabei auch viel um die Seinigen und hatte oft eine große Sehnsucht, ihnen bald nachfolgen zu können.
20. Als er einmal an einem Sonnabend mit seiner Tochter nahe über die Mitternacht hinaus gebetet und geseufzt hatte und er samt seiner Tochter betend und seufzend einschlief, da träumte es der Tochter, als sei sie mit dem alten Vater auf dem höchsten Gipfel der Alpe gestanden. Und wie sie da freudig um sich blickte in die weiten Fernen hinaus, da bemerkte sie sobald eine ganze Menge lieblich weißer Wolken der Höhe zuschweben, und als diese Wölkchen vollends zu der Höhe hinangeschwebt waren, da gewahrte sie sobald, dass diese Wölkchen vollkommen menschliche Wesen waren, und diese Wesen waren anfangs verschleiert; aber bald lüfteten sie ihre Schleier, und sie, die Tochter und der alte Vater, erkannten sogleich überseligen Herzens, dass diese Wesen ihre vorangegangenen Teuren waren, wovon die Mutter sobald zu ihrem geliebten Gatten trat, ihn herzte und koste. Der Gatte, als der Vater der Tochter, aber weinte vor übergroßer Freude ob dieses seligen Wiedersehens. Darauf aber begab sich die Mutter zur Tochter, küsste sie und sagte darauf zu ihr:
21. „Liebe Tochter, so wie du dich mit deinem Vater jetzt allhier befindest, ebenso sollt ihr euch beide morgen Nachmittag hier befinden, da werdet ihr noch mehr sehen und empfinden denn jetzt; aber darob sollt ihr daheim nichts versäumen in dem, was euch was immer für eine Ordnung der Dinge vorschreibt.“
22. Nach diesen Worten erwachte die Tochter sogleich und weckte durch ihr Erwachen ihren auch noch schlafenden Vater, und da dieser den Anbruch des Tages merkte, so blieb er auch sofort wach, nach alter Gewohnheit, stand auf, kleidete sich an und weckte dann auch das Hausgesinde. Nach dieser Arbeit aber begab er sich wieder in sein Zimmerchen, allwo er sein Töchterchen schon angekleidet und das Morgengebet verrichtend fand.
23. Er segnete sein Töchterchen und küsste sie, und kniete dann selbst nieder und verrichtete mit ihr seine Morgenandacht. Als aber beide damit fertig waren, da standen sie auf, das Töchterchen umarmte ihren alten Vater und küsste ihn gar traulich und herzlich, dass der Vater es ihr ansah, dass sie übergewöhnlich fröhlichen und heiteren Mutes war; darum er sie auch sobald fragte: „Mein liebes Töchterchen, wie kommt es denn, dass du heute gar so munter und fröhlich bist?“
24. Das Töchterchen aber sagte zu ihm: „Aber, lieber Vater, hat denn dir heute gar nichts geträumt?“
25. Der Vater aber erwiderte ihr: „Es kommt mir wohl vor, als hätte mir etwas geträumt; allein was, – das wäre mir unmöglich herauszubringen.“
26. Das Töchterchen aber erzählte nun dem Vater ihren Traum, welchen er mit großer und sichtbarer Bewegung seines Gemütes anhörte und dann nach der beendeten Erzählung sagte: „Höre, mein liebes Töchterchen, was dir geträumt hatte, das wollen wir heute auch in Wirklichkeit ausführen!
27. Daher wollen wir sogleich jetzt in der Frühe uns in die nicht ferne Kirche begeben, daselbst dem Gottesdienst wohlandächtigen Herzens beiwohnen, sodann zu Hause unser Mahl nehmen und uns dann in der Begleitung unseres alten Knechtes hin auf die Höhe begeben. Wenn wir nur eine Stunde vor dem Mittag fortgehen, so sind wir bis Nachmittag um die dritte Stunde ja gar leicht auf der besagten Vollhöhe unserer herrlichen Alpe und können bei dieser Gelegenheit auch im Namen des Herrn nachsehen, was unser Hausvieh und unsere zwei Hirten da oben machen, und ob alles gesund und in gutem Zustand ist.“
28. Wie gesagt, also auch getan. Um drei Uhr nachmittags stand unsere kleine Familie schon auf der Vollhöhe; wie aber das Töchterchen es im Traum gesehen hat, so sah sie auch jetzt in der Wirklichkeit ganz gleiche Wölkchen sich gegen die Höhe begeben.
29. Wie diese Wölkchen näher und näher kamen, bemerkte sie auch der Vater und mit ihm auch der alte Knecht; und als endlich die Wölkchen vollends die Höhe umschwebten, so gestalteten sie sich auch sobald zu den im Traum schon kundgegebenen Wesen.
30. Als der alte Vater in diesen Wesen die Seinigen erkannte, wie diese auch gar so liebend ihn umfingen, dass er darum nicht im Geringsten mehr zweifeln konnte, dass das wahrhaft seine seligen Teuren sind, da weinte er laut vor Freude und dankte Mir mit dem inbrünstigsten Herzen, dass Ich ihm noch in diesem Erdenleben habe eine so große Seligkeit zukommen lassen.
31. Nach solchem Dankgebet aber wurde seinem Geist die innere Sehe völlig geöffnet. Da ersah er sobald die ganze Höhe verklärt und verwandelt in eine himmlische Gegend und sah da die herrlichen Wohnungen der Seinigen. Und aus einer Wohnung sah er einen Mann treten, der da hatte ein großes Gefolge; und dieser Mann begab sich schnurgerade zu unserem alten Mann hin und sagte:
32. „Siehe, mein lieber Sohn, wo es auf der Erde bunt und lebendig zugeht, da sieht es im Geiste leer und tot aus; wo aber auf der Erde es aussieht, als hätte der Tod für alle Zeiten seine Ernte gehalten, da ist es aber im Geiste umso lebendiger und lebensvoller.
33. Siehe, auf den hohen Alpen wächst zwar kein Getreide und sind keine Weinberge, keine Fruchtbäume, wie auch keine Goldbergwerke anzutreffen. Was aber dafür anzutreffen ist im Geiste, das siehst du jetzt im Geiste durch die Gnade des Herrn vor deinen Augen enthüllt!
34. Du wirst noch eine kurze Zeit die Erde mit deines Leibes Füßen betreten. Wachse aber in dieser Zeit in der Liebe zum Herrn! Und siehe dort neben meiner Wohnung einen zweiten herrlichen Palast; dieser ist schon für dich bestimmt und für die Deinigen, wenn du das Zeitliche verlassen wirst und wirst antreten das freie, ewige Leben!“
35. Bei diesen Worten erkannte unser alter Mann, dass dieser Redner sein irdischer Vater war – nach welcher Erkennung sobald das selige Gesicht verschwand. Unsere Wanderer behielten davon das lebendige, selige und stärkende Gefühl, priesen und dankten Mir darauf für solche erzeigte Gnade und kehrten sodann heiteren und gestärkten Mutes wieder ihrer irdischen Heimat zu.
36. Der traurige Mann verlebte dann die übrige Zeit noch recht heiteren Mutes und voll Liebe und Dankbarkeit zu Mir auf der Erde; und so sich seiner noch dann und wann eine überflüssige Schwermut bemächtigte, so machte er, wenn es nur immer seine leiblichen Kräfte gestatteten, sobald einen Besuch unserer vorbezeichneten Höhe, von welcher er allzeit wieder neu gestärkt zurückkehrte.
37. Seht, solche Geschichten erzählen euch die Berge – wenn auch nicht für jedermann mit vernehmlichen Worten, aber desto mehr mit einer sehr wahrnehmbaren Einflüsterung in das Gefühl der Seele und durch diese auch zur Liebe des Geistes.
38. Wenn ihr zufolge dieser Wissenschaft euch bei guter Gelegenheit auf irgendeinen Berg von einer bedeutenden Höhe begebt und euch daselbst solche Gefühle anwandeln, so könnt ihr daraus sicher schließen und sagen: „Ja, das sind wahrhaft heimatliche Gefühle! Wie süß und angenehm sind sie, und wie herrlich muss es sein für diejenigen, welche sich schon für ewig in diesem stillen Heimatland befinden!“
39. Denn ihr könnt es glauben, dass solch beseligende Gefühle nicht etwa Wirkungen der alleinigen für sich dastehenden Höhen sind, sondern sie entstammen den euch da umgebenden seligen Geistern, die gleich Mir euch vorangegangen sind, um für euch eine bleibende Stätte zu bereiten. Doch müsst ihr dabei etwa nicht einseitig sein und denken: „Dieser oder jener Berg ist es, da solche Wohnungen im Geiste aufgerichtet sind!“, sondern was hier gesagt ist, gilt zumeist von jedem Berg, auf welchem die Grenzsteine des zeitlichen Eigentumsrechtes weit voneinander abstehen.
40. Ähnliche Gefühle mögt ihr wohl auch schon auf unbedeutend hohen Hügeln gewahren; aber lebendig werden sie erst daselbst, wo die Axt des Holzhauers nichts mehr zu tun hat.
41. Solches also erzählen, lehren und predigen auch die Berge. Was sie aber noch erzählen, lehren und predigen, das wollen wir noch in der nächsten Mitteilung mit vieler Klarheit dartun; daher lassen wir es für heute wieder gut sein.
Am 27. Mai 1842
1. Was predigen und lehren die Berge denn noch?
2. Auch solches wollen wir wieder in einer einfachen und kurzen Geschichte vernehmen. Und so hört denn:
3. Ein recht frommer Mann ging einst schon lange mit dem Gedanken um, ob es denn durchaus nicht möglich wäre, sich auf einen Augenblick nur auf der Welt der großen Gnade teilhaftig zu machen, dass er Mich — nur auf einen Augenblick — zu sehen bekäme. Dabei dachte er sich aber auch, was alles er darum tun wolle, um zu dieser Gnade zu gelangen.
4. Bei diesem Gedanken schweifte er lange Zeit umher gleich einem Jäger um einen dichten Forst, wo er nicht weiß, wie er in denselben eingehen soll und in welchem Teil desselben sich ein Wild befindet. Er suchte somit auch die Fährte; allein solche ist da schwer zu finden, wo alles dicht mit allerlei Gebüsch verwachsen ist.
5. Unser alter frommer Mann war zwar wohl bei sich dessen bewusst, dass der Mensch in diesem Leibesleben unwürdig ist solcher Gnade und es daher schwer halten möchte, das zu erreichen, wonach er sich sehnte.
6. Aber auf der anderen Seite war seine Begierde wieder zu mächtig, als dass sie dieser Einwendung hätte Gehör geben können.
7. Daher beschloss er auch nach langem Herumirren seiner Gedanken, sich auf einem benachbarten ziemlich hohen Berg eine Stätte auszusuchen und dahin so oft zu wandeln und sich daselbst in anhaltendem Gebet zu versammeln, sooft es nur immer seine Zeit und andere Umstände gestatten möchten.
8. Damit er sich aber die Stelle wohl merken konnte, so machte er ein Kreuz und befestigte dasselbe auf dieser Stelle. Als nun solche Arbeit vollzogen war, so gelobte er Mir feierlichst, dass er auf diesem Platz nicht eher zu seufzen und zu beten aufhören will, als bis Ich ihn erhören werde. Ja er sagte sogar, er will hier entweder sterben oder Mich zu Gesicht bekommen und will nicht eher weichen von dieser Stelle, als bis Ich Mich ihm zeigen würde.
9. Wie beschlossen und vorbereitet, also auch getan.
10. Bei drei Jahre lang verfügte sich unser Mann, sooft es nur immer die Umstände zuließen, an diese Stelle und betete da allerinbrünstigst oft viele Stunden lang zu Mir um die Erhörung seiner Bitte. Sooft er sich da in dieser Angelegenheit befand, da war er auch allzeit unsichtbarerweise umringt weit und breit von vielen Tausenden frommer Geister. Diese stärkten ihn nach Meinem Willen so sehr, dass er sich nach Verlauf von anderthalb Jahren schon vollkommen der inneren Sehe des Geistes bedienen konnte, und so war es ihm auch ein Leichtes, sich daselbst mit gar vielen ihm verwandten Geistern zu besprechen über das, was ihm so außerordentlich am Herzen lag.
11. Die guten Geister belehrten ihn zwar einstimmig, dass sein Vorhaben im eigentlichen, wahren, Gott wohlgefälligen Sinne etwas töricht ist, und sagten ihm noch hinzu, dass ja das schon ohnehin eine große Gnade ist für ihn, dass Ich ihm eröffnet habe das Auge des Geistes, damit er da allzeit sehen kann sie, seine geistigen Brüder, und kann sich mit ihnen besprechen über allerlei, was da ist und sein wird und kommen wird über den Erdboden. Allein solche Lehre vonseiten der guten Geister fruchtete bei ihm in dieser Hinsicht wenig; denn er entgegnete ihnen allzeit darauf, sagend nämlich: „Meine lieben Brüder und reineren geliebten Freunde meines und eures Herrn! Ich kann euch einmal und für allemal nichts anderes sagen, als was ich euch schon öfters gesagt habe; solches aber ist und lautet, wie ihr wisst:
12. Wenn ich nur Ihn zu sehen bekomme und Ihn habe, dann ist mir die ganze Welt mit dem ganzen Himmel um einen schlechten Pfennig feil! Und so mögt ihr reden, was ihr und wie ihr nur immer wollt, so werdet ihr mich dennoch ewig nicht von meinem Vorhaben abbringen; denn ich will und ich muss Ihn sehen, Ihn, den allein ich nur über alles liebe! Denn Er ist mir alles; alles andere aber ist mir nichts!“
13. Sooft aber diese guten Geister von unserem Mann solche Sprache vernahmen, da schlugen sie sich auf die Brust und lobten ihn seiner großen Liebe zu Mir wegen. Und also war ihre Arbeit vergebens. Da sie aber solches merkten, da hielten sie sich eine Zeit lang bei seinen Besuchen dieser Stelle also ferne von ihm, dass er da niemand weiter zu sehen bekam und auch nichts anderes, denn was seine fleischlichen Augen sahen.
14. Er war dadurch der Meinung, als könnte ein solches Verlangen denn doch sündhaft sein, da ihn die Geister also verließen, und so dachte er wieder eines Tages lange hin und her, was er da tun soll. Soll er entweder der Belehrung der Geister folgen, oder soll er dem getreu bleiben, wozu ihn sein Gefühl so mächtig antreibt?
15. Endlich siegte aber dennoch das Gefühl über alle Geister; denn er sagte bei sich selbst: „Es sei denn, wie es wolle. Dass ich vor Gott ein Sünder bin, das zeigt mir ja mein eigener Leib; denn wäre ich kein Sünder, so hätte ich auch sicher nicht dieses sündige Zeugnis des Todes um mich. Ich aber bin ein Sünder, solange ich diesen Leib herumtrage. Aber was kann der Sünder denn dafür, wenn in seinem Leib der Geist entzündet wird von der heißen Sehnsucht, zu schauen Den, Der ihn erschuf fürs ewige Leben? Und so will ich denn meinem ersten Vorsatz getreu bleiben, und möge da kommen, was da wolle: Meine Liebe zu Gott soll dennoch nicht geschwächt werden; eher will ich mich zu Tode lieben, als von dieser Liebe nur ein Haarbreit weichen.“
16. Diesem Beschluss zufolge ging unser Alter wieder fleißig an die besagte Stelle und betete noch viel inbrünstiger denn zuvor.
17. Als unter solchen Gebeten auf diesem Berg nahe drei Jahre vergingen, da kam zu unserem Mann ein anderer gut aussehender, aber sonst ärmlicher Mensch und ließ sich mit unserem Beter in folgendes Gespräch ein.
18. Er fragte ihn: „Lieber Mann, was tust du denn hier auf dieser Höhe?“ Und der Beter erwiderte ihm: „Mein guter Freund, wie du siehst, ich bete.“ Wieder sagte zu ihm der Fremde: „Weißt du denn nicht, dass man nur in den Bethäusern dem Herrn dienlich betet? Du aber scheinst dieselben zu vermeiden und verrichtest somit deine ganze Andacht nur auf diesem Berg?“ Darauf erwiderte ihm unser Beter: „Lieber Freund, das ist wohl wahr; dessen ungeachtet aber gehe ich doch auch, wenn das Wetter für diese Stelle ungünstig ist, in ein Bethaus. Doch muss ich dir offenbar bekennen, dass ich in einem Bethaus noch nie mit der wahren Andacht habe beten können, wohl aber auf dieser mir so ganz eigens heilig vorkommenden Höhe. Denn ich muss dir dazu noch offen bekennen: Wenn ich da um mich her blicke und schaue da das liebe Gras, die schönen Wälder, mit denen der Fuß dieses Berges so reichlich geziert ist, und über mir den weiten, freien Himmel an, da sagt mir mein inneres Gefühl: ‚Siehe, diese Verzierungen des großen Tempels Gottes sind Seiner allmächtigen Hand sicher näher als diejenigen Schnitzwerke, mit welchen ein gemauertes Bethaus geziert ist.‘ Nach solchen Gedanken bin ich denn vollkommen in meinem Element und begebe mich auf diese meine Höhe und bete da aus dem tiefsten Grunde meines Herzens.“
19. Auf diese Äußerung sagte der Fremde: „Mein lieber Freund, in diesem Punkt bin ich mit dir vollkommen einverstanden; aber nur möchte ich von dir erfahren, aus welchem inneren, tieferen Grund du diese Stelle noch ausersehen hast für deine Andacht?“
20. Bei dieser Frage stutzte unser Beter ein wenig, bedachte sich aber doch bald und erwiderte dem Fremden: „Siehe, mein lieber Freund, manche Menschen bitten um Gesundheit, manche um Vermögen, manche um dies und manche um jenes – allein um alles dieses bitte ich nicht; denn mir ist nur an einem alles gelegen, und dieses ist der Herr, mein Gott! Und Diesen möchte ich nur einmal sehen in diesem meinem irdischen Leben; denn für öfter weiß ich wohl, dass dieses Leben nicht geeignet ist. Habe ich dieses erreicht, so habe ich mehr erreicht, als was mir alle Erde und alle Himmel bieten können. Daher will ich auch eher sterben hier, als von diesem meinem Vorsatz nur um ein Haarbreit abweichen; und habe ich das erreicht, so will ich dafür auf dieser Stelle Gott danken und Ihn loben mein Leben lang.“
21. Nach diesen Worten fragte ihn wieder der Fremde: „Wie stellst du dir denn Gott vor? Denn es könnte ja sein, dass Er zu dir käme, Sich dir zeigte und mit dir redete in einer oder der anderen Gestalt – wenn du Ihn aber nicht erkennst, da wäre ja all dein Beten umsonst, so es auch Gott, dein Herr, gar wohl erhört hätte.“
22. Bei dieser Frage stutzte unser Beter noch mehr – und sagte endlich zum Fremden: „Mein lieber Freund, da hast du mir wirklich etwas sehr Wichtiges gesagt; denn siehe, über diesen Punkt haben sich meine Gedanken noch nie erstreckt, und ich muss dir nun gestehen, dass ich mir darüber eigentlich gar keine Vorstellung machen kann. Denn mein Begriff über das Wesen Gottes ist so verworren, dass ich noch bis auf diese Stunde nicht weiß, ob es da gibt einen Gott, der ungefähr also aussähe, wie ein großer Mensch, oder ob dieser Gott aus drei Menschen besteht, welche aber sich dessen ungeachtet fast also ausnehmen dürften, als hätten sie nur einen gemeinsamen Leib. Oder ist das Wesen Gottes ein unendliches Licht, in welchem diese drei göttlichen Personen schweben und wirken? Kurz und gut, lieber Freund, ich kann dir darüber fürwahr keinen vollgültigen Bescheid geben. Siehe, diese Ungewissheit war auch der meiste Grund, warum ich mir auf dieser Höhe diese Stelle ausgesucht habe; denn ich muss dir offen gestehen, ich möchte lieber nicht sein, als also sein, dass ich nicht zur Gewissheit dessen gelangen sollte, wie gestaltet da ist Derjenige, den ich über alles liebe.“
23. Hier erwiderte der Fremde wieder unserem Beter und fragte ihn: „Hast du denn noch nie gelesen, was Christus einst von Sich aussagte, da die Apostel Ihn angingen, dass Er ihnen den Vater zeigen soll? Siehe, heißt es da nicht: ‚Ich und der Vater sind eines; denn wer Mich sieht, der sieht auch den Vater; denn der Vater ist in Mir und Ich im Vater?‘“
24. Bei diesen Worten fing unser Beter ganz gewaltig an zu stutzen und er erinnerte sich sogleich der zwei nach Emmaus wandelnden Jünger und fragte darauf etwas furchtsam den Fremden: „Lieber Freund! Sage mir, ob du nicht irgendein Eremit oder sonst ein frommer und in der Heiligen Schrift wohlunterrichteter Mann bist; denn mit solchen Worten kommt sonst kein gewöhnlicher Mensch zum Vorschein.“
25. Auf diese Frage gab der fremde Mann unserem Beter keine Antwort mehr, sondern ergriff ihn bei der Hand und hob ihn von der Erde und führte ihn dann auf die Vollhöhe des Berges. Hier erst öffnete Er wieder den Mund und sagte zu unserem Beter: „Bruder, siehe, um was du drei Jahre lang flehtest, steht jetzt vor dir. Siehe, Ich allein bin der Gott Himmels und der Erde, und außer Mir gibt es keinen mehr!
26. Also bleibe Mir aber getreu in deinem Herzen, wenn du Mich auch fürder in deinem Leben nicht mehr sehen wirst. Wie du aber jetzt Meine süße Vaterstimme hörst, so sollst du sie auch stets hören, sowohl auf dieser Höhe, wie überall, wo du dich in Meinem Namen befinden wirst.
27. Also aber hast du das ewige Leben gefunden, und dieses wird dir nimmerdar genommen werden. Wahrlich sage Ich dir, deine Seele wird nimmerdar den Tod schmecken ewig. Amen!“
28. Nach diesen Worten verschwand sogleich der hohe Fremdling, und unser Beter weinte, lobte und pries den Herrn die ganze Nacht hindurch und besuchte diese Höhe hernach noch emsiger als vorher.
29. Seht, auch solche wirklich wahren Tatsachen erzählen euch die Berge. Daher geht auch ihr gern auf die Berge oder betet wenigstens im Geiste auf den Bergen – welche sind ein reines Gemüt – zu Mir, so dürfte euch auch begegnen, was unserem frommen Beter begegnet ist.
30. Was die Berge aber noch lehren, predigen und erzählen, wollen wir noch in der letzten Mitteilung vernehmen, und so lassen wir es für heute wieder gut sein.
Am 28. Mai 1842
1. Was lehren und predigen die Berge denn noch?
2. Die Berge führen noch solche Worte zu den sie beachtenden Menschen, aus welchen ein jeder nur einigermaßen geistig geweckte Mensch gar leicht entnehmen kann, wie es da noch steht um sein Gemüt.
3. Demnach sind die Berge ein wahrer geistiger Spiegel für jene, welche sich darin beschauen wollen.
4. Wie denn aber solches?
5. Ihr habt bei schon manchen Gelegenheiten erfahren, dass für den geistig geweckten Menschen jede Erscheinung in der Natur irgendeine Bedeutung hat, und namentlich habt ihr solches vernommen bei jenen Gelegenheiten, bei denen euch ebenfalls einige Berge sind enthüllt worden.
6. Demnach darf der geistig gewecktere Mensch nur einen flüchtigen Blick auf einen ihm benachbarten Berg werfen und allda ersehen, wie gestaltet er beleuchtet ist, ob er vollkommen rein oder mehr von einem bläulichen Dunst umfangen ist und welche Teile des Berges mehr oder weniger umdunstet sind, oder ob er sogar erschaut irgend Nebel um den Berg, entweder in der Tiefe, dessen Mitte oder auf dessen Scheitel, oder ob sich über dessen Scheitel Wolken befinden, und von welcher Art und Gattung diese Wolken sind.
7. Ferner darf es einem solchen Beobachter nicht entgehen, welche Gefühle sich seiner bemächtigt haben beim Anblick eines vor ihm stehenden Berges, ob sie ihn in eine angenehme oder mehr wehmütige Stimmung versetzt haben, oder ob er dabei eine große Begierde empfunden hat, diesen Berg baldmöglichst zu besteigen, oder ob er ein diesem Gefühl gerade entgegengesetztes in sich gewahrte, welches gewisserart mit einem sogenannten viel mehr empfundenen Unmöglichkeitsgefühl gleichlautend ist. Also auch – was freilich wohl nur einem geweckteren Gefühl eigen ist –, ob er bei dem Anblick eines Berges ein heiteres Morgengefühl, oder ein zwar auch heiteres, aber doch mehr ermüdendes Mittagsgefühl, oder ein schläfriges Abendgefühl, oder ein ödes, dumpfes Mitternachtsgefühl in sich verspürte, und wie lange sich dasselbe, das ganze Gemüt beherrschend, aufrechterhielt.
8. Seht, alle diese hier angeführten Punkte sind wohl zu beachten; denn alle diese Erscheinungen und Empfindungen entsprechen allzeit auf ein Haar dem inwendigen Zustand des Menschen. Nur ist dabei zu bemerken, dass da die Empfindungen mit den Erscheinungen übereinstimmen müssen, denn die Erscheinungen für sich geben noch kein vollgültiges Zeugnis. Wenn aber das Gefühl harmoniert mit der Erscheinung, da verkündet der Berg dem Menschen genau, wie es mit ihm steht.
9. So zum Beispiel: Ginge da jemand am Morgen aus und möchte da erblicken einen zwar ganz reinen Berg, dieser Berg aber erhöbe mitnichten sein Gefühl, sondern erfüllte es nur mit einer heimlichen Bangigkeit – in diesem Fall wäre die Erscheinung mit dem Gefühl unharmonisch; der Berg aber bliebe dem Beschauer dessen ungeachtet ein getreuer Spiegel. Wie denn aber?
10. Seht, sobald die geistige Reinheit des Berges abstößt das Gemüt des Beschauers, so sagt der Berg dem Beschauer: „Mit welch unreinem Gemüt beschaust du mich! Daher reinige dich, damit du in dir erhoben wirst über dein Weltsinnliches, wie ich emporrage über den Schlamm der Tiefen, in dem nichts denn elendes Gewürm, Frösche, Kröten und Schlangen wohnen!“
11. In diesem Fall ersieht der Beobachter im Spiegel des Berges sein Bild, wie er sein soll – aber nicht ist.
12. Ein anderer unharmonischer Fall wäre dieser, dass ein Mensch ebenfalls ausginge, entweder am Morgen oder zu einer anderen Tageszeit, möchte aber da erschauen einen ganz umdüsterten Berg, hätte aber dabei ein vollkommen heiteres und fröhliches Morgengefühl. Was hätte denn der Beschauer bei dieser Gelegenheit von dem umdüsterten Berg zu entnehmen?
13. Wir wollen bei dieser Gelegenheit den Berg selbst einige Worte von sich geben lassen, welche also lauten dürften: „Sieh mich an, du fröhlicher Wanderer, im heiteren Morgen deines Gefühls! Du warst ehedem, wie du mich nun erschaust, und warst düster und traurig, und eine erstickende Nacht drohte dich zu verschlingen; und wie nun um mein ganzes Wesen, also umlagerten auch dich schwüle und schwere Wolken. Du wusstest nicht, was sie über dich ausbrüten werden. Es kamen gar bald gewaltige Stürme über dich hergezogen und so mancher Blitz traf dich aus deiner Wolkenmasse. Du aber verzagtest nicht, hattest mich zum Vorbild in deiner Seele und standest da gleich mir: ein hoher Fels, unerschrocken und Trotz bietend solcher Versuchung. Siehe, die Stürme, die dich zu vernichten drohten, umwandelten sich gar bald in rettende Engel und befreiten dich von der großen Last deiner Nacht. Somit, kleiner Freund im Tal da unten, der du mich nun heiteren Gemütes betrachtest, da ich begraben bin in der Wolken Nacht und Stürme um meine Stirn wehen, als wollten sie mich vernichten, beachte wohl dieses Bild vor dir; denn nur dadurch wirst du im beständigen Morgen deines Gefühls verbleiben, wenn du dir oft genug das Bild vor die Augen stellst, wie es einst um dich aussah, da du mir in diesem meinem Zustand glichst.
14. Siehe, dieser Sturm wird mich nicht vernichten und du wirst mich gar bald wieder dir gleich erblicken; wohl dir, wenn du mich in meiner Reinheit mit demselben Gefühl noch ansehen wirst können, mit dem du mich nun ansiehst, da ich dir zeige, wie du dereinst warst!“
15. Seht, welch eine gute und nützliche Lehre selbst so ein umwölkter Berg einem reinen Gemüt gibt, indem er es zur wahren Demut leitet und der Betrachter sich dann selbst sagen kann: „O Berg, wie oftmals warst du schon also umwölkt und wie oftmals wieder rein; lasse mich daher stets erinnert sein, dass ein gereinigtes Gemüt, solange es frei dasteht, auch gleich dir wieder kann umwölkt werden. Damit aber solches so viel als möglich unterbleiben müsse, soll mich allzeit dein umwölkter Zustand daran erinnern und zugleich mit Donnerworten zurufen: „Siehe, wie traurig es ist, wieder in die vorige Nacht zurückzusinken, und wie schwer, solche Wolken zu tragen, die da gefüllt sind mit zahllosen Blitzen, welche nicht fragen: ‚Wohin sollen wir schlagen?‘, sondern sie schlagen, wohin sie treffen, und zerschmettern und zerstören da, was sie treffen!“
16. Seht, das sind die zwei Kulminationspunkte der unharmonischen Verhältnisse zwischen den Erscheinungen und den Empfindungen.
17. Demnach können zwischen diesen zwei Extremen noch eine Menge größerer oder kleinerer Gattungen von unharmonischen Erscheinungen vorkommen, welche aber diesen zweien zufolge alle leicht erkannt werden können, weil sie sich nicht mehr über das Ganze, sondern nur über einzelne Teile erstrecken.
18. Das Schwerste ist, die Totalerscheinung zu beurteilen; diese aber ist bereits erläutert. Demnach ist jedes Einzelne ja leicht zu erkennen, geradeso, als so jemand eine allgemeine Rechnungsformel kennt, so kann er dann ja zufolge dieser Formel jeden sonderheitlichen Fall gar leicht entziffern.
19. Was aber die harmonischen Erscheinungen betrifft, so bedürfen diese keiner weiteren Erklärung. Denn wo ein heiteres Gemüt einen heiteren Berg erblickt, da wird es noch um desto heiterer und sehnt sich hinauf auf die reine Höhe. Wo aber ein umdüstertes Gemüt einen schauerlich umdüsterten Berg erblickt, da wird es noch um desto düsterer und ruft schon heimlich im Geiste aus: „Berg, falle über mich her und bedecke ganz und gar meine furchtbare Nacht!“ Ein solcher Mensch sehnt sich sicher nicht nach der Höhe dieses Berges.
20. So aber jemand ausgeht mit einem heiteren Gemüt und ein umdüsterter Berg verstimmt es ihm, so ist eine solche Verstimmung als nichts anderes anzusehen als eine Erweckung des eigentlichen Zustandes, in welchem sich das Gemüt verborgenermaßen noch befindet – oder der Berg zeigt es dem Menschen an, was alles noch in ihm steckt.
21. Das sind ebenfalls die Universalmomente der harmonischen Verhältnisse, nach welchen sich ebenfalls jeder unbedeutende sonderheitliche Fall erkennen und bestimmen lässt.
22. Dass natürlicherweise die höheren Berge und namentlich die Gletscher, wie unser Großglockner es ist, solches mit einer noch bei Weitem größeren Bestimmtheit an sich beobachten lassen denn andere, weniger hohe Berge, versteht sich schon ohnehin von sich selbst, so jemand nur ein wenig in Erwägung zieht, wie stets ausgedehnter die Bestimmung eines Berges wird, je höher er seinen Scheitel über die gewöhnliche Habsuchtstiefe des Erdbodens erhebt.
23. Dass ferner die Berge erst auf ihren reineren Triften bedeutungsvoll werden, kann jeder auch leicht aus dem Ganzen entnehmen, weil je reiner die Berge werden, desto geistiger es auch auf ihnen wird – aus dem Grund sie auch auf jedes Gemüt schon an und für sich einen größeren Eindruck machen als geringere Erhöhungen.
24. So ihr aber noch bestimmter erschauen wollt, in welcher Region und mitunter auch, welche Berge da am wirksamsten sind (nämlich die Berge selbst), so dürft ihr nur den ziemlich gelungenen Zeichnungen des Knechtes ein aufmerksames Auge schenken. Aus denen werdet ihr gar bald diejenigen Punkte zuunterst der Zeichnung erschauen, wo die Berge anfangen wirksam zu sein, und auch, welche Berge am meisten wirken.
25. Wollt ihr solches erkennen, da fragt nur nach aufmerksamer Betrachtung eines jeden Stückes, wie dasselbe das Gefühl anregte, und ihr werdet daraus bald erkennen, wo sich die größere Wirkung äußert. Denn das Bild ist ebenfalls eine Entsprechung zum Gegenstand, von dem es ein Abbild ist, und kann auch im Geiste belebt werden zur nahe völligen Wirklichkeit; nur muss natürlicherweise ein Abbild mit desto größerer Aufmerksamkeit betrachtet werden, damit es sich dadurch im Gefühl verwirklicht. Ist solches bei jemandem gewahrsam erfolgt, dann mag er auch so manche nützliche Lehre von einer solchen Betrachtung ziehen.
26. Dass natürlicherweise ein solcher Berg in seiner eigentümlichen Natur um vieles wirksamer ist, und zwar sogleich auf den ersten Anblick, solches bedarf keiner weiteren Erörterung, sondern eines jedweden eigene Erfahrung lehrt ihn ja dasselbe; und so hätten wir nicht nur den Großglockner in allen seinen Teilen und Wirkungen dargestellt, sondern was da gegeben ist, ist der Ordnung nach von allen Bergen zu verstehen, wie es demzufolge zu verstehen ist für jedermann.
27. Vorzugsweise aber sollen darunter dennoch die entsprechenden Berge im menschlichen Herzen verstanden sein, welche da diesen wirklichen entgegengehalten werden sollen, damit im Herzen dann ebenfalls eine solche nützliche Fernwirkung entstehen möchte, wie sie da entsteht und fortwährend besteht auf diesem euch nun bekannt gegebenen Berg.
28. Solches beachtet demnach wohl, und prüft euch danach, und tut danach, so wird der wahre innere Segen der Berge über euch ebenfalls also ausgegossen werden, wie da die Berge ihren euch bekannten Segen ausgießen über alles Land; und solches ist wahr, richtig und getreu. Wie Ich Selbst aber vorzüglich gern auf den Bergen war und sättigte da so viele Hungrige mit wenigen Broten und zeigte Mich verklärt auf einem Berg und fuhr von einem Berg auf in Mein Reich – also sage Ich euch auch dieses von den Bergen und eröffne euch dadurch eine große Pforte in das Reich des ewigen Lebens!
29. Bedenkt, dass Ich, der Urheber und Erschaffer der Berge, Mich nicht umsonst gern auf den Bergen aufhielt und nicht ohne große lebendige Bedeutung zum letzten Mal betete auf einem Berg; daher folget Mir in allem nach, so werdet ihr das Ziel, das Ich Selbst bin, schwerlich je verfehlen.
30. Solches sage Ich, der Ich einst vom Berge den Himmel ausgeteilt habe. Dies ist auch ein Teil des Himmels; nehmet ihn als einen großen Segen von Mir, und werdet lebendig im Geiste ewig! Amen!
Der Text dieser Edition entspricht dem der Erstausgabe von 1901. Angepasst wurde lediglich die Rechtschreibung. Die Kapitelüberschriften des Verlegers der Erstausgabe wurden überarbeitet. Entfernt wurden jene Kommentare, die er (als solche ersichtlich) in den Text hat einfließen lassen, gewöhnlich in runde Klammern gesetzt. Anmerkungen oder Ergänzungen des Editors befinden sich in eckigen Klammern.
Bei der Überprüfung des Textes wurden folgende inhaltliche Unterschiede im Vergleich mit der 7. Auflage (2010, Lorber-Verlag) festgestellt:
„Löschung“ bedeutet, der Text in Klammern ist in der Erstausgabe vorhanden, nicht aber in der siebten Auflage. „Einfügung“ bedeutet, der Text in Klammern ist nur in der siebten Auflage vorhanden.
[0.5] Ich brauch euch nicht mehr’res von allen den heiligen Bergen zu sagen, auch nicht von der Schule der Seher und Künder [Erstausgabe: Kinder] des ewigen Wortes aus Mir;
[1.9] Hier auf diese Frage gebe Ich eine ganz kurze Antwort und sage nichts, als dass solches im Ernste sehr notwendig ist, weil von der überragenden Höhe solcher Berge in naturmäßiger Hinsicht die ordentliche Erhaltung nicht nur derjenigen Länder, in denen sie sich befinden, sondern eines ganzen Weltteiles abhängt, wie z. B. Europa von den drei (euch) halbwegs benannten (Bergen) [Erstausgabe: euch halbwegs bekannten Gletschern, d. h. Gletschergebirgen], Asien und Amerika von den ihren, usw.
[1.12] Der menschliche Leib hat noch viele andere Extremitäten, die er verlieren kann, ohne darum das Leben einzubüßen; [Einfügung: aber des Leibes oberste Extremität lässt sich nicht ohne den Verlust des Lebens einbüßen.]
[2.3] Ihr hättet ohne das Eisen nicht ein einziges [Löschung: wirklich taugliches] Werkzeug, um das Erdreich aufzulockern und den Getreidesamen in die Erde zu säen – ja, mit einem Worte gesagt: […] Nicht einmal ein einfaches Grab könntet ihr der Leiche eines verstorbenen Bruders [Löschung: leicht] bereiten ohne das Eisen, und müsstet dadurch die Leichen der Verstorbenen entweder in die Flüsse werfen, hier und da höchstens in seichten Sand verscharren oder sie auf die höchsten, mit ewigem Schnee und Eis bedeckten Berge tragen [Löschung: oder sie verbrennen], so ihr nicht wolltet vom beständigen Pesthauche umgeben sein.
[2.7] Ihr wisst schon aus einer früheren Kundgebung, und zwar namentlich aus der Darstellung Meiner großen „Haushaltung“ im von euch also benannten Hauptwerk, allwo eine Meldung geschieht von der Hin- und Herwanderung des Meeres, dass während des Überstandes der Meeresgewässer sich dieses Metall durch das Salz dieses Gewässers, vorzugsweise aber durch die Einwirkung der Gestirne, in dem Innern der Erde, und zwar in gewissen schon eigens dazu bestimmten Gängen oder Adern derselben, ansammelt [Löschung: wo das Eisen oder doch der Stahl als metallisch gefestetes und gesalzenes, item gebundenes Sonnenlicht dargestellt ist].
[3.6] Wenn ihr den Umfang der Erde nehmt, der noch bedeutend über 5000 [Einfügung: deutsche] Meilen hinausreicht, und teilt diese ganze Länge des Umfanges in so viele Teile, als da 24 Stunden und einige Minuten darüber Minuten [Erstausgabe: , Minuten und Sekunden] in sich haben, so werdet ihr die überraschende Erfahrung machen, dass da auf eine Minute etliche Meilen zu stehen kommen.
[5.8] Nein [Erstausgabe: Ihr müsset euch sagen, dass dieß nicht der Fall ist, denn nicht im Willen allein liegt die Verschiedenheit], sondern die Liebe zeichnet die Modifizierung (verschiedenen Erscheinungsformen) der Produkte und der Wille spricht nur das einfache „Es werde!“ hinzu, und so wird es auch, was die Liebe zuvor gezeichnet hat.
[6.3] Da sie im geistigen Zustand auf dem Wege der Entsprechung auch wohl wissen, dass so ein Gebirgsriese der Erde ein naturmäßiger Nutzwirker ist für viele [Erstausgabe: alle] Ländereien um ihn, so halten sie sich auch besonders gern in seiner Nachbarschaft auf.
[6.5] Diese Wolken und Nebel sind ebenfalls Geister [Erstausgabe: Träger von Geistern], aber Geister [Erstausgabe: von Geistern] guter Art. Die zuallerhöchst schwebenden sind dazu bestimmte [Einfügung: schützende] Engelsgeister, und die mehr in der Tiefe des Gletschers schwebenden Nebel, welche gewöhnlich linealförmige Streifwolken bilden, sind zwar ebenfalls Geister guter Art, aber noch nicht völlig reif für die Höhe und müssen sich erst durch getreue Wachsamkeit und mannigfaltige Kämpfe gegen die argen Geister für die Höhe geeignet, reif und tüchtig machen.
[6.13] Wenn demnach die weißen Wolken sich samt und sämtlich über die schwarzen hinausgezogen haben, so breiten sie sich in der Höhe nicht selten gleich einem Netze viele Meilen weit nach allen Seiten mit Blitzesschnelligkeit aus und nehmen das gesamte arge Gesindel, wie ihr zu sagen pflegt, solo (einzeln) [Erstausgabe: einfach] gefangen.
[6.14] Sie fangen da an, alle ihre Truppen zu konzentrieren, um [Erstausgabe: und] dadurch [Einfügung: mit Gewalt wieder durch] die weißen Massen zu brechen.
[6.16] Bei dieser Gelegenheit fangen dann die unteren Geister sich in ihrem Grimme zu entzünden an, und bald spielt sich da eine so feurige Szene ab, dass nicht selten in einer Sekunde [Erstausgabe: Minute] mehr denn tausend [Erstausgabe: Hunderte] der heftigsten Blitze mit großem, erderschütterndem Gekrache nach allen Seiten wie auch nach oben und nach unten stürzen. Nach allen Seiten, [Erstausgabe: hin fahren] um die herabbohrenden weißen Massen zu töten, in die Höhe, um die Hauptanführer der weißen zu verderben, und in die Tiefe oder auf die Erde, um den Thron zu vernichten.
Der Herausgeber der Erstausgabe hat zuweilen ihm übertrieben oder falsch erscheinende numerische Angaben verfälscht, ohne dies zu kennzeichnen. Dies dürfte auch hier der Fall sein.
[7.11] Eine dritte Art solcher Geister macht zwar den Weg wirklich bis ins Meer; wenn sie aber da angelangt sind, so rotten [Erstausgabe: retten] sie sich nach den verschiedenen Arten ihrer Bosheit [Einfügung: zusammen] und machen sich dann über das Meer her.
[8.5] Den Gläubigen züchtigen sie durch allerlei Mittel, die ihnen zu Gebote stehen, den Ungläubigen aber erfüllen sie nicht selten mit einer unausstehlichen Angst, oder sie machen ihm einen unerwarteten Schreck, oder sie werfen ihm irgendein leibliches unheilhaberes (unheilvolles) Übel auf [Erstausgabe: leibliches unheilbares Uebel an] den Hals.
[8.14] Eine noch höher stehende Art dieser Geister, welche schon im Äther sich befinden, ist erschaulich in der seltenen [Erstausgabe: seltsamen] Erscheinung der sogenannten Fata Morgana.
[8.23] Es gibt freilich wohl noch höhere Geister, welche in den Weltenräumen die Welten und Sonnen lenken und führen [Erstausgabe: sichern], und endlich noch höhere Geister, welche dem Menschen beigegeben sind; allein für diese ist wieder ein anderer, größerer Platz (bestimmt), und sie haben daher mit dem [Erstausgabe: den] Wesen der Erdordnung unmittelbar nichts zu tun.
[9.11] Dieser Rückrapport ist für den Geist, der da noch im Leibe schläft, fast dasselbe wie das, was ihr in leiblicher Hinsicht eine elektromagnetische [Erstausgabe: magnetische] Affektion nennt, oder was im weiteren Sinne das Magnetisieren selbst ist, durch welche Handlungsweise einem schwachen Organismus durch einen starken, lebensvollen auf eine Zeit lang eine neue Lebenskraft mitgeteilt wird; kurz und gut, auch der Geist, der da noch schwach ist und schläft im Menschen, wird von den [Erstausgabe: höheren] Geistern also (auf diese Weise) [Einfügung: geistig] magnetisch geweckt – freilich nicht für bleibend, sondern auf eine kürzere oder längere Zeit nur.
[9.20] Ein solcher Mensch wird nicht nur auf keine Gefahren stoßen, sondern er wird allzeit gewaltig gesegnet und gestärkt wieder zurückkehren, und zwar so, dass bei manchen solchen Gebirgsbesteigern und großen inneren Freunden der Berge [Erstausgabe: derselben] ihr Geist für bleibend geweckt worden ist und sie darauf zu Sehern und Propheten wurden.
Nach der Erstausgabe können auch die innigen Freunde von solchen Gebirgsbesteigern gemeint sein.
[9.21] Aus diesem Grunde habe Ich auch euch noch allzeit geraten, gern auf die Berge zu gehen, weil denn doch bei jeder, wenn auch nur momentanen Geisteserweckung dem Geiste eine Stärke [Erstausgabe: Stärkung] zurückverbleibt also, wie einem schwachen Menschen die naturmäßige Lebenskraft nach jedem einzelnen sogenannten Magnetisieren erhöht wird und er, wenn er oft genug magnetisiert worden ist, endlich mit schwacher Beihilfe anderer Mittel wieder zur vollen Gesundheit und Lebenstätigkeit gelangt.
[10.32] Unser kahles [Erstausgabe: kaltes] Gestein und unser Schnee und Eis wirken zwar segnend für die Täler, da wir in steter Verbindung mit unserer umfangreichen Niederung stehen und diese bei Weitem größer ist denn wir selbst in unseren Höhen;
[10.33] Sei kahl und kalt und unfruchtbar in deinem Verstande, und lass denselben sich stets erniedern, also wie wir uns stets erniedern, so wird deine Liebe dafür wachsen und dein Leben zunehmen daselbst, wo du gleich uns vom Schöpfer berufen bist, allein nur völlig lebendig [Löschung: zu werden und] zu sein!
[10.41] Sage uns nun, du törichter Mensch, was Übles haben wir dir denn getan, dass du alle diese unsere Wohltaten verkennst, dich dafür gleich einem Spulwurm der Tiere in unsere Eingeweide verkriechst und dort nachjagst dem, das für dich keinen Segen in sich birgt, uns aber dabei unbeachtet lässt, die wir dich doch nach der Anordnung deines und unseres [Löschung: allmächtigen Vaters und] Schöpfers stets so reichlich mit lebendigem Segen versehen?
[11.3] Eine freie Luft weht um unsere Stirnen und der Sonne [Erstausgabe: Sonnen] Strahl bricht sich sanft über unsere hohen Rücken!
Der Plural der Sonne bezeichnet auch die Sterne.
[11.7] Frei sein in der Höhe seiner Gedanken und in der Tiefe seines Gefühls, und wie selig es ist, wenn [Einfügung: diese] zwei sich unbefangen die Hände reichen können, und wie selig da der Gedanke an Gott ist, wenn Ihn der Wanderer aus der Tiefe seines Herzens frei bekennen und Ihn lieben und anbeten kann in dem freien, großen Tempel der Unendlichkeit!
[11.26] Das Töchterchen aber erzählte nun dem Vater seinen Traum, welchen er mit großer [Einfügung: Aufmerksamkeit] und sichtbarer Bewegung seines Gemütes anhörte und dann nach der beendeten Erzählung sagte:
[11.38] Wenn ihr euch zufolge dieses Wissens [Erstausgabe: zufolge dieser Wissenschaft euch] bei guter Gelegenheit auf irgendeinen Berg von einer bedeutenderen Höhe begebet und euch daselbst solche Gefühle anwandeln, so könnt ihr daraus sicher schließen und sagen:
[11.39] Denn ihr könnt es glauben, dass solche [Löschung: beseligende] Gefühle nicht etwa allein Wirkungen der für sich dastehenden Höhen sind, sondern sie entstammen den euch umgebenden seligen Geistern, die gleich Mir euch vorangegangen sind, um für euch eine bleibende Stätte zu bereiten.
[11.41] Was sie aber noch erzählen, lehren und predigen, das wollen wir in der vorletzten [Erstausgabe: nächsten] Mitteilung mit vieler Klarheit dartun;
[12.27] Also aber hast du das [Löschung: ewige] Leben gefunden, und dieses wird dir nimmerdar genommen werden.
Quelle: https://drive.google.com/file/d/1_ltPWGs74_uaYQNKmZ2j1sklDxVV0uFg/view?usp=drive_link